• Weinverkostung - Oliver Bock

    Hier verkostet der Weinschmecker. Er bewertet, lobt und kritisiert, was ihm auf die Zunge kommt und er veröffentlicht im Weinblog auszugsweise seine Degustationsnotizen und Weineindrücke sowie seine Weinerlebnisse auch außerhalb des Rheingaus.

VDP Weinversteigerung

Bäckertüten aus Papier sind neben dem Versteigerungskatalog das wichtigste Utensil auf der Weinversteigerung im Rheingau. Denn wenn die Brötchen zur Geschmacksneutralisierung verzehrt sind, dann lassen die Besucher die Tüten knallen, wenn für einen besonders guten Tropfen eine Preisschwelle übersprungen oder ein besonders hohes Gebot abgegeben wird. Bei der gemeinsamen Weinversteigerung der Rheingauer Prädikatsweingüter und der Hessischen Staatsweingüter hatten die rund 400 Besucher wieder mehrfach Anlass, die Tüten aufzupusten. Insgesamt wurden von Auktionator Leo Gros 6100 Flaschen Rheingauer Wein versteigert, die preiswertesten kamen für 15 und 16 Euro Euro unter den Hammer. Der Gesamtumsatz lag bei knapp 189.000 Euro, womit der Taxpreis mehr als verdoppelt worden war.

Insgesamt hatten sich elf Weingüter beteiligt an der Auktion, deren wirtschaftliche Bedeutung über die vergangenen Jahrzehnte freilich immer geringer geworden ist. Daran hat auch die im vergangenen Jahr erstmals eröffnete Möglichkeit, über das Internet rund um den Globus mitsteigern zu können, grundsätzlich wenig geändert. Die zehn Weinkommissionäre hatten gleichwohl ordentlich gefüllte Auftragsbücher dabei. Für spektakuläre Bietgefechte bedarf es allerdings immer mindestens zwei betuchter Weinliebhaber, die nicht so schnell bereit sind, die begehrte Flasche einem anderen zu überlassen. Das galt für die imposante Zwölf-Liter-Flasche mit „2017er Goethewein aus dem Brentanohaus“, die zur Freude von Winzer Max Schönleber unter dem lauten Knall vieler Papiertüten erst für 3300 Euro ihren neuen Besitzer fand. Glückwunsch!

Das war einer von nur einer Handvoll Höhepunkten im ehemaligen Schlafsaal der Laienbrüder. Immerhin 3600 Euro war einem unbekannten Weinliebhaber die 1949 Trockenbeerenauslese aus der Lage „Rauenthaler Baiken“ der Staatsweingüter wert, doch es hätte nach meinem Geschmack auch etwas mehr sein dürfen. Nur 300 Euro weniger waren es für den aus dem gleichen Keller stammenden Benefizwein zugunsten der Geisenheimer Nachbarschaftshilfe, einen „1949 Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder Natur“. Feine Weine gab es einige zu verkosten, beispielsweise das 2016er Hattenheimer Wisselbrunnen Großes Gewächs aus dem Weingut Ress, das in einer Sechs-Liter Flasche für 1450 Euro versteigert wurde, oder die 1969er Schloss Johannisberger Grünlack Spätlese. Für mich der geschmackliche Höhepunkt der Auktion dank Weingutsleiter Stefan Doktor. Top!  Nur 180 Euro je Flasche als Auktionserlös waren ein Schnäppchen für einen 50 Jahre alten Tropfen. Dafür gab es für eine Sechs-Liter-Flasche mit einer 1999 Beerenauslese aus dem Schlosskeller 3000 Euro – und den lauten Beifall knallender Papiertüten.

Gaja

Gaja. 4 Buchstaben, 3 Weingüter, 250 Hektar Weinberge in Langhe, Bolgheri und Montalcino, 1 Legende. Gaja wird oft in einem Atemzug mit anderen Legenden der Weinwelt genannt, egal ob Krug in der Champagne oder DRC im Burgund. Es zeichnet das Rheingau Gourmet und Wein-Festival aus, dass es HB Ullrich immer gelingt, Weine solcher Giganten zu Tastings auszuschenken. Diesem Erfolg verdanke ich einige schöne und imposante Erlebnisse. Diesmal also Gaia, und Gaia Gaja aus dem Familenunternehmen ließ nicht nur die Weine für sich sprechen, sondern erläuterte fast 90 Minuten lang Geschichte, Philosophie und Anbau von Gaja bis hin zum Wassermanagement in den Weinbergen im Zeichen des Klimawandels und zur Rolle der Bienen in der Natur.

Eingeschenkt wurden sieben Weine darunter zwei Weiße, die allerdings keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben: Der 2017er Rossj-Bass Langhe DOP, eine Cuvée aus Chardonnay und Sauvignon blanc, fiel durch eine sehr intensive, kräuterige und würzige Aromatik auf, reiche florale Noten, im Abgang allerdings sehr kurz. Insgesamt mäßiger Trinkfkluss, für meinen Geschmack liegt der Sauvignon-Anteil zu hoch. 2017 Vistamare Toscana IGP ist eine Cuvée aus Vermentino und (für mich viel zu viel) Viognier. Recht opulent, expressiv und „laut“, florale bis leicht parfümige Noten, ein sicherlich guter Essensbegleiter, der „solo“ für mich keine Option wäre.

Aber gekommen sind wir ja wegen der Roten (alle 2014, alle 100% aus der Nebbiolo-Traube!): der „Barbaresco“ sehr gewürzig, viel Waldfrucht, deutliche Tanine, wirkt noch sehr jung und sehr kantig und hart, schöner Nachhall. Deutlich stärker der Sori Tildin Barbaresco DOP mit mineralischen Anklängen, guter Säure, straff, entfaltet guten Druck am Gaumen, kein Charmeur. Noch weniger der Costa Russi Barbaresco DOP, der für meine Geschmack viel zu säurebetont daherkommt, mit einer reichhaltigen samtigen Frucht, die jedoch alle Komplexität überdeckt. Mein Favorit an diesem Nachmittag ist der Sori San Lorenzo Barbaresco DOP dank seiner Eleganz, seinen feinen Taninen, einem guten Trinkfluss, der erdige Noten mit Spuren von Tabak und Lakritz offenbart, dabei weich und würzig, ohne an Straffheit und Präzision zu verlieren. Großer Wein. Die Favoritenrolle hätte ich eigentlich dem Sperss Barolo DOP zugebilligt, der mit seiner weichen, sehr fruchtbetonten Art (viel Lakritz, Teer und Tabak sowie Kirsche) und seinem langen Nachhall gut gefällt, aber nicht die Präzision des Sori San Lorenzo zeigt. auch der „Conteisa“ Barolo DOP“ kann sich trotz einer gewissen Sinnlichkeit, trotz betörender Kirsche, seinen floralen Noten und kräuterigen Akzenten nicht an die Spitze setzen.

Unter dem Strich viel zu junge Weine, die (noch) nicht ihre Klasse zeigen konnten. Schöner wäre eine Vertikalprobe beispielsweise des Sperss oder des Sori San Lorenzo gewesen, die nachdrücklich das von Gaja in den Vordergrund gestellte Alterungspotential nachvollziehbar bewiesen hätte. So blieb bei mir am Ende ein zwiespältiger Eindruck und die Frage offen, ob Gaja jenseits des Mythos sein Geld von 400 und mehr Euro je Flasche wert ist, sofern man Geduld und den richtigen Keller dafür hat.

VDP Weinpräsentation

...mit Gastregion Weinviertel Österreich

Das war genau die richtige Gelegenheit, um nach knapp 3 Wochen Südafrika die Zunge wieder an Riesling zu gewöhnen… und überdies neue Erfahrungen zu sammeln. Leider fiel der Termin diesmal auf den Faschingssonntag, was den Publikumszuspruch doch arg gemindert hat… unschön für die Winzer, angenehm für den Weinfreund, der nirgends anstehen musste. Obwohl sich das durchaus gelohnt hätte an manchen Ständen. Gut 50 Prozent des Weinviertels ist mit Grünem Veltliner bepflanzt, weshalb die Weine auch den Schwerpunkt bei den Gastweingütern stellten. Ich gebe zu, ich trinke ihn oft nicht immer so gern.. und habe mich deshalb den weißen „Exoten“ gewidmet. Das hat sich gelohnt. Das Weingut Gruber Röschitz hat es sogar gewagt, mit dem 2016 Black Vintage einen Riesling in die Höhle der Rheingauer Löwen mitzubringen, und der konnte sich durchaus schmecken lassen. Gut! Ebenso der Riesling Reserve Passion 20176 bei Weingut Pfaffl. Eine Freude zudem der 2016 Weißburgunder Selektion vom Weingut Hirtl, der den 2017 Weißburgunder von Hofer klar ausgestochen hat. meine Lieblinge indes waren der der 2015 Chardonnay Reserve Rossern von Pfaffl und der 2016 Chardonnay „5 Elemente“ vom Weingut Elisabeth Rücker. Guter Trinkfluss bei Sauvignon blanc Sändlasberg 2018 vom Weingut Studeny Herbert, nicht geringer bei Weißburgunder Selection 2015 vom Weingut Taubenschuss. Mein Liebling allerdings der muskulöse „Alte Weißburgunder Selektion 2015 Kugler Lagenreserve“ vom Weingut Weinrieder… das passte alles!

Bei den Rheingauer Kollegen war natürlich die Nachverkostung der Großen Gewächse angesagt, und unter dem Strich war das alles recht beeindruckend gut. Einmal mehr zeigte sich, dass bei den meisten – aber nicht allen – die 2016er die 2017er an Klarheit und Präzision überstrahlen. Das zeigt sich beispielhaft bei Weil (2016 Gräfenberg vor 2017 Gräfenberg), aber auch bei 2016er Schlenzenberg von Diefenhardt und dem 2016er Wisselbrunnen der Georg Müller-Stiftung. Phänomenal gut entwickelt sich der 2016er Doosberg von PJ Kühn. Begeistert haben mich die 2015er Alten Reben von Toni Jost, der 2016er Tell und der Wisselbrunnen von Kaufmann sowie 2015 Hohenrain GG von Oetinger. Finessenreich und lecker auch 2017 Rosengarten von Spreitzer und 2016 Jesuitengarten von Schönleber.

Südafrika 2019

Südafrika 2019

Diesmal habe ich die Weingüter und Weine nicht gezählt, aber auch ohne Statistik war es genuss- und erfahrungsreich. Doch zunächst einmal der Überblick. Die Weinbranche leidet, und vielen Weingüter geht es schlecht, vor allem jenen, hinter denen keine finanzkräftigen Investoren stehen, die das Ganze als luxuriöses Hobby betrachten. Die Scheren zwischen billigen Fassweinen, die nach Europa verschifft werden, und wenigen Superpremium-Weinen mit Kultstatus klafft weiter auseinander. Unter südafrikanischen Maßstäben beginnt das Superpremiumsegment beim Rotwein schon bei 125 Rand je Flasche (Kurs 1:15!), bei den Weißen schon bei knapp 100 Rand! Und diese Weine stehen für weniger als zwei Prozent des südafrikanischen Weinmarktes! Mehr als 50 Prozent aller Flaschenweine werden im Land für weniger als 40 Rand verkauft… ein Wahnsinn! In den vergangenen zehn Jahren ist der Weinanbau von 102.000 Hektar auf 95.000 Hektar zurückgegangen. Dort werden zu zwei Drittel Weißwein angebaut. Die Zahl der Traubenproduzenten ist von knapp 4000 auf gut 3000 zurückgegangen. All das sind Indizien für die Lage der Branche im Land. Zudem machen Bürokratisierung und Mindestlöhne (180 Rand pro Tag) den Winzern zu schaffen. Ihre Antwort lautet Mechanisierung – schon sieht man die ersten Vollernter auf den Farmen – und Verzicht auf Neuanpflanzung arbeitsintensiver Busch-Weine, obwohl diese oft die allerbeste Qualität haben. Gleichzeitig gewinnen Natur-, Orange- und Bioweine an Anteil, ohne den Charakter der Produktion bislang maßgeblich zu verändern – so zumindest mein Eindruck.

Für mich bleibt es dabei: Ich bevorzuge im Land die Chenin blancs, gefolgt vom Chardonnay und interessanten Cuvées, und ich meide meist die Sauvignon blancs, auch wenn es tolle Ausnahmen gibt, die meine Regel bestätigen. Ich liebe den Shiraz, die sehr guten Pinotage-Weine und die feinen roten Cuvées, dazu den Cabernet, wenn er richtig, richtig gut ist.

Und nun ans Eingemachte und ein paar Details, vielleicht diesmal sortiert nach Rebsorten

Chenin blanc

2017 Bush Vine von Kaapzicht fällt mir hier als erstes ein! Genialer Wein, großes Kino, mehr davon! Ebenfalls lecker 2017 Chenin von Paul Barth bei Kunjani (für Lunch ein Muss!), auch wenn der 2015er Shiraz auf seine Art um Längen besser ist. Nicht minder fein: 2016 Bush Vine Chenin bei Dornier. Grande Provence hingegen eher eine Enttäuschung. Absolute Granaten hingegen bei Mullineux, 2017 Quartz und Granite muss man probiert haben (in einem imposanten Wein-Studio in Franschhoek). Ganz außergewöhnlich in jeder Hinsicht: 2016 Chenin Barrel fermentet von Reni Hildenbrand (Bei ihr in Wellington auch den Malbec probieren und meinen Favoriten, die Cuvée Emma & Asa!). Zum Besten was ich diesmal getrunken habe gehört zu dem Springfonteins 2017 „Terroir Selection“ Chenin…

Chardonnay

Ist kein guter Chenin verfügbar, greife ich in Südafrika meist zu Chardonnay, und wenn er so gut ist wie der 2017er Kapokberg Selection von Groote Post, dann bleiben keine Wünsche offen. Natürlich kam der Wein nicht 2017 von Ataraxia heran, das ist unverändert einer meiner Favoriten im Land! Direkt dahinter Moreson mit dem 2017 Mercator, eine Wucht! Aber nirgends schmeckt der Chardonnay besser als bei La Motte als Auftakt zu einem Mittagessen auf dem Waterdeck des Restaurants! (Und danach zum Beef die Hanneli R. bestellen… !!!!) Bei Glen Carlou sollte man die ganze Chardonnay-Range verkosten und beim Quartz Stone hängenbleiben! Aber es geht noch viel besser: Leeu Passant 2016 Chardonnay ist ein Gigant. Der stellt sogar den 2015 Sumaridge in den Schatten, den ich sonst sehr schätze. Und es bleibt dabei, dass die Chardonnays von Bouchard Finlayson (2016) stets zu meinen (gut bezahlbaren) Lieblingen gehören.

Sauvignon blanc

damit habe ich mich meist zurückgehalten, 2016 The Old Block in dem von mir erstmals besuchten Weingut Ormonde (Darling) fand ich aber ganz ordentlich mit netten Trinkfluss, viel besser allerdings der 2014er Shiraz! Ebenfalls das erste Mal war ich bei Groote Post, wo es eine interessante Cuvée aus Sauvignon blanc und Chenin gab, 2018 „The Old Mans Blend“. Besonders in Erinnerung allerdings ist mir der 2018 Seasalter Sauvignon… richtig guter Trinkfluss!

und sonst?

Probiert den 2018er Riesling von Groote Post und erlebt eine positive Überraschung! Testet feine Cuvées wie „The Tin Mine“ von Zevenwacht und den „Donatus White“ von Dornier.

Aus dem Verkostungstagebuch

Weingut Tesch, Nahe

Kompromisslos den eigenen Weg gehen und das Terroir der Lagen sprechen lassen, das ist die Mission von Michael Tesch an der Nahe. Persönlich verfolge ich das Weingut schon seit Jahren, wenn auch leider eher unregelmäßig. Mit seiner schön gestalteten Lagenbox hat Tesch wieder einmal sein Talent fürs Marketing unter Beweis gestellt. Den Inhalt zu verkosten im Kreis einer Runde von „Weinnasen“ zu verkosten war spannend und genussvoll zugleich. Und das Fazit: Unisono Lob für die Klarheit, Komplexität und Länge der Tesch-Weine und vor allem die differenzierte Sprache der 5 Lagen: 5x Riesling 2017

Langenlonsheimer Löhrer Berg: recht kernig, mit guter Länge, leicht erdige Noten, etwas Apfel

Laubenheimer Krone: viel Zitrus, aber auch kernig, komplex, feinfruchtig, elegant

Laubenheimer Karthäuser: recht voll, kraftvoll und balanciert, eine Maul voll Wein, große Komplexität und Länge, leicht würzige Art, Druck am Gaumen, Trinkfluss, mein Favorit!

Laubenheimer St. Remigiusberg: in Vorjahr oft mein Liebling, sehr dicht, Anklänge von Mandarine und reifer Orange, guter Spannungsbogen am Gaumen, fein

Langenlonsheimer Königsschild: der Sieger des Abends, mein Zeitplatzierter, geschliffen, fein, ein Schmeichler und schon sehr zugänglich, aber dennoch komplex, großes Potential für lange Lagerung, top

Silvesterfreuden

Das alte Jahr habe ich diesmal im Restaurant Ursprung des Wartenfelser Berghof… nie gehört? Tja, das ist ein echter Geheimtipp im Oberfränkischen, gar nicht so weit von der Bierstadt Kulmbach. Eine absolute Empfehlung! Zu einem großartigen Sechs-Gang-Menü gab es einen sehr ordentlichen 2017er Riesling vom Löss vom Pfälzer Weingut Stern und einen eher belanglosen 2017er Sauvignon blanc vom Neuseeländischen Weingut Villa Maria. Den zum Menü vorgesehen 2016er Frühburgunder vom Nahe-Weingut Sascha Montigny haben wir am Tisch gegen den 2014 Rooi Olifant von Markus Schneider getauscht, eine gute Entscheidung zum Rücken vom Black Angus Beef aus Cordoba.

Zum Anstoßen auf 2019 dann Barth 2013 Schützenhaus Riesling brut Natur und Solter 2013 Rotenberg Reserve but Methode Allemande, beide aus der Magnum! Die Abstimmung ging 4 zu 4 aus, mein Favorit war mit knappem Vorsprung der etwas komplexere, tiefgründigere Barth mit unglaublicher Finesse.

"Tatort Bad Kreuznach"

Ja, man lernt nie aus und stößt immer wieder auf neue Weingüter, die man bislang „übersehen“ hat: Das Weingut Lorenz & Söhne in Bad Kreuznach-Bosenheim mit seinem bewundernswert klar strukturierten Portfolio ist so ein Fall. Kahlenberg, Höllenpfad, Steinrossel, das sind die „Tatort“-Lagen, die man wirklich mal verkosten sollte, und schon der einfache Weißburgunder ist eine klasse Visitenkarte dieses Weinguts, das ich unbedingt mal besuchen muss….

Und sonst?

Dornier 2017 Chenin blanc Bush Vine – absolut großartig, enormer Druck, enormer Trinkfluss, genial gut, Gaumen-Reise nach Südafrika…

Alois Lageder 2015 Löwengang Chardonnay – klasse Chardonnay, sehr cremig, fest, komplex, großer Nachhall, top

Hessische Staatsweingüter 1976 Rauenthaler Gehrn Riesling Spätlese – schon recht fortgeschritten gereift, der Korken zerbröselt, aber Wein steht gut da, Rosinen, Datteln, Dörrobst, feine Süße, gut

Joh. Jos. Prüm 2009 Wehlener Sonnenuhr Riesling Spätlese – wow! Saftig, typisch elegante Mosel-Süße, großer Trinkfluss, Spasswein auf höchstem Niveau, einfach lecker!

Robert Weil 2012 Turmberg Riesling trocken – immer eine Bank, immer zuverlässig lecker, immer Trinkfluss vom Feinsten!

Domaine A.F. Gros 2008 Echezeaux Grand Cru – eine burgundische Majestät, feine Frucht, hochfein und elegant, guter Trinkfluss, viel Kirsche und andere rote Früchte, feine Würze, Nachhall, eine Trinkfreude!

Hubert Lamy 2008 Saint-Aubin 1er Cru Les Frionnes – klasse Wein aus dem Burgund, sehr cremig, fest am Gaumen, gut strukturiert, zarte Holznoten, elegant, top

Muratie Lady Alice rosé brut und L´Ormarins brut classique rosé – 2 südafrikanische Sekte im direkten Vergleich… bei mir hat Muratie klar die Nase vorn

Egerts AdvEnte

DER Tipp für einen Adventssonntag im Rheingau: das Entenessen bei Egert in Hattenheim. Eine perfekt gegarte Ente zum moderaten Preis, das macht in netter Runde mehr als Spass! Dazu die sehr ordentlichen 2016 und 2017 Wisselbrunnen Spätlesen trocken im direkten Vergleich (ganz klar 2016!) und überdies das sehr imposant gereifte 2013 Erste Gewächs, das jüngst zu Recht einen renommierten Preis gewonnen hat.

Bardongs VorHeiligabendWirtschaft

Mist, dass Bardong jährlich am 23.12. eine Eintages-Straußwirtschaft organisiert und ich das bislang irgendwie verbaselt hatte… war für ein Versäumnis. Das steht jetzt jedes Jahr auf meinem Programm!!! Leckere Quiches und dazu feinen Sekt, mehr braucht kein Mensch, vor allem wenn es um den phänomenalen 2014er Chardonnay und um den grandiosen 1998 Reserve geht… das sind beides Schaumwein-Majestäten, eine Zierde für den Rheingau!

Künstler´s Schatzkammer

Einen großartigen Einblick in 20 Jahre Qualitätsfanatismus und Präzision gewährte kürzlich Gunter Künstler, indem er Raritäten der Jahre 1997 und 2012 entkorkte. Imposant, wie Künstler mit seinem Team dabei die Charakteristiken der Jahrgänge herausarbeitete und vor allem den Hochheimer Riesling zum Tanzen brachte. Was war insbesondere erwähnenswert, um aus der Masse der sehr guten Weine herausgehoben zu werden?

2002 Cuvée M Sekt brut – cremiger, sauguter Sekt mit Finesse und Spiel, sehr gut

2011 Sauvignon blanc – dieses Jahr war in Deutschland für Sauvignon blanc einfach sehr gut geeignet wegen der hohen (Über-) Reife vieler Trauben, sehr gelbfruchtig, komplex, langer Nachhall

2010 Hölle Riesling Kabinett trocken – ja klar, ein „Kabinett“ im An- und Abführung Künstlerscher Machart, aber sehr fest, geradlinig, straff, guter Trinkfluss, strahlender Vertreter des lange unverstandenen Jahrgangs 2010

2006 Stielweg „Alte Reben“ und Domdechaney Riesling trocken – beides so was von typisch für den äußerst schwierigen Jahrgang 2006, bei mir hatte die Hölle klar die Nase vor, das galt auch für folgendes Paar:

1999 Stielweg und Hölle jeweils Spätlese trocken: die Hölle einfach prägnanter, druckvoller, präziser, feinfruchtiger

2008 Hölle „Goldkapsel“ trocken – der Hammerwein des Tages! Finesse, Eleganz und strahlende Klarheit gepaart mit Trinkfluss, Druck und Körper, großartig und – von mir nicht erwartet – sogar deutlich stärker als 2004 Auslese trocken, die viel Zeit und Luft braucht, um den Jahrgang tatsächlich im Glas wiederzuspiegeln. 2006 „Goldkapsel“ trocken einer der besten 2006er, die ich in letzter Zeit getrunken habe, 2007 „Terrasse“ nicht so breit und fett, wie eigentlich zu befürchten, Wirklich gut auch 2003 Auslese trocken! Am Ende aber doch eher Kirchenstück Auslese trocken, ein echtes Meisterstück!

Unter den fruchtigen Weinen gab es viele gute, aber auch dicke… ganz grandios 2008 Reichestal Riesling Kabinett, ein Saufwein, wie er im Buche steht, da gibt es kein Halten mehr! Meine weiteren Lieblinge waren die 1998 Domdechaney Spätlese (elegante Süße, belebende Säure, schmeichelnd-lecker) und die Auslese aus 2001. Nicht zu vergessen den 1997 Hölle Eiswein, ein Paradewein.

Aus dem Verkostungstagebuch

Private Tastings

Graf von Kanitz 1986 Lorcher Schlossberg Riesling – nie und nimmer hätte ich diesen Jahr erraten, und dann noch aus der 0,5er Flasche, Hut ab

Aufricht 2015 Riesling*** - mag man oder mag man nicht.. mir gefällts, andere hatten Schwierigkeiten, ihn als Riesling zu erkennen

August Kesseler 2017 Berg Roseneck Riesling GG und 2016 Lorchhäuser Seligmacher Riesling GG … Kesseler ist wie immer eine Bank, und diese Weine sind hochgradig großartig

Christmann 2008 Idig GG – ein wenig reif, ein wenig fetter als andere dieses Jahrgang, aber dennoch genußvoll

Schloss Vollrads 2017 Alte Reben – guter Trinkfluss, läuft!

Staatsweingüter 2014 Pinot Noir trocken … bestätigt meine Skepsis zu vielen Weinen des Jahrgangs 14…

August Kesseler 2015 und 2016 Höllenberg Pinot Noir GG höllisch guter Pinot

Christmann 2015 Königsbach Spätburgunder – brav, gut gemacht

Jakob Jung, Erbach

… die Adventsprobe Ende November ist ein Muss, denn dann zeigen sie 2017er langsam in ihrer Gesamtheit Ihre Stärke. Meine Favoriten sind der Steinmorgen Erste Lage. Riesling und die 2017 „Alten Reben“ trocken… auch die Cuvée aus Weißburgunder und Chardonnay hat abermals guten Zug und Druck… Bei den großen Gewächsen läuft der Siegelsberg gaaaaaanz langsam zur großer Form auf

Speicher-Schuth, Kiedrich

… noch eine Adventsprobe, und ich bin vom Preis-Leistungsverhältnis bei Ralf Schuth immer sehr begeistert. Die neue Vinothek ist übrigens jetzt geöffnet, hingehen lohnt sich. Vor allem wegen der beiden trockenen Rieslinge aus Wasseros und Gräfenberg, deren mineralische Ausprägung mit sehr gut gefällt. Der Restzucker dürfte gerne etwas geringer ausfallen, aber so zeigen die Weine eine Saftigkeit, die sehr trinkanimierend wirkt! Klare Kaufempfehlung, ebenso der Pinot Noir… kenne nix aus der Preisklasse unter zehn Euro im Rheingau, was mir besser schmeckt! Der Pinot aus dem Barrique ist klasse, ganz neu ist ein Syrah, denn ich noch einige Male nachverkosten muss. Das entfällt beim Cabernet franc, der ein für den Rheingau sehr ungewöhnlicher Wein ist. Muss in den Keller!

Barth, Hattenheim

… die nächste Adventsprobe, die hier Weihnachtsforum heißt und immer bestens organisiert ist. Ich mag den Basis-Riesling aus 2017, das ist eine klasse Visitenkarten für ein durchweg imposantes Sortiment. Der Rüdesheimer Ortswein ist ein sehr ansprechender Vertreter dieser Kategorie, top! Und bei den GGs habe ich mit in den 2015er Hassel verliebt. Sehr gut auch der Spätburgunder Reserve, wenn auch 19 Euro hier schon ambitioniert sind. Charming wie immer die Sekte, und ich habe wohl gefunden, was ich an Silvester (unter anderem) öffnen möchte: 2013 Schützenhaus brut nature VDP. Erste Lage. Magnum. Zum niederknien. Oder eben zu Feuerwerk abbrennen!

Rheingau Open 2018

… das war mal wieder eine gelungene Veranstaltung auf Schloss Johannisberg mit insgesamt 60 Weingüter. Ich habe mich so treiben lassen und wie immer einige außergewöhnliche Tropfen gefunden, die mich sehr begeistert haben…. leider hatte ich nicht viel Zeit und habe auch wenig notiert… und die Notizen obendrein verloren…

Laquai 2017 Schlossberg Erstes Gewächse – entwickelt sich phänomenal gut, bestätigt mein Urteil vom August!

Mohr 2017 Boden-Steinberg Erstes Gewächs – stoffig, mineralisch, elegant, hervorragend

Lesehof Stagard, Krems: 2016 Riesling Steinzeug – extravagant aber gut

Kanaan Winery China: 2017 Kanaan Riesling trocken – trinkbar, muss nicht sein

und sonst?

Allendorf! : 1999 Quercus superior …. absoluter Hammer, wirkt jung, frisch, bestens strukturiert, langer Nachhall, sehr elegant, bin jetzt noch hin und weg…. wow!

Riesling Gala & mehr

Riesling Gala

zum 29. Mal eine großartige Werbung für die Region. Dazu ein großartiges Sechsgang Menü vergleichsweise junger wilder Köche, und das für 700 Gäste in nur einem Raum. Das gibt es nur im Rheingau! Mein Favorit war die Ente im Steinklee von Matthias Schmidt (Consortium), gefolgt von der Jakobsmuschel von Dennis Maier (Emma Wolf Mannheim) und dem Waygu Flanksteak von Michael Kempf (Facil Berlin). Unter den vielen Spitzenweinen fällt die Wahl schwer, aber vier Weine haben sich ins Hirn gebrannt...

Robert Weil 2013 Gräfenberg GG aus der Salmanazar – in einer majestätischen Flasche eine Riesling Majestät mit, genialst gut!

Dr. Loosen 1998 Ürziger Würzgarten Riesling Spätlese - soooo frisch und elegant nach 20 Jahren, das haut einem um!

Dr. Loosen 2013 Ürziger Würtzgarten Riesling GG Reserve … Hammer!

Georg Breuer 2001 Nonnenberg aus der Doppelmagnum (geschnorrt am Nachbartisch… grandios! )

und was war sonst so….?

Littorai 1996 One Acre Anderson Valley Pinot Noir … das absolute Hammer, frisch, elegant, nachhaltig… MEIN PINOT DES JAHRES ! Geht wohl wirklich kaum besser…

Allendorf 1999 Quercus superior… Hallo, geht’s noch? So frisch, so elegant, ich dachte direkt nach dem Öffnen an 2015… erst mit gehörig viel Luft zeigt er im Bukett leichte Anzeichen der Reife, ansonsten ein absoluter Kracher! Mein Gastgeber konnte es selbst kaum glauben und prüft erst nochmal das Etikett… 1999…jetzt in der Form seines Lebens.

Domaine Weinbach 2002 Schlossberg Cuvée Catherine – ein Elsässer vom Allerfeinsten, perfekte Balance, Struktur und Reife, ganz groß!

Robert Weil 1998 Gräfenberg Beerenlause – die letzte Flasche dieser Selektion aus dem Keller, genialer Schmelz, feine Säure, balancier tund strukturiert, Benchmark!

Bollinger Special Cuvée – immer eine Bank, immer hoher Trinkfluss, mein Lieblingschampus, wenn er aus einem der größeren Häuser stammen soll (gut, Krug ist auch immer lecker...), und Frau Bollinger wusste schon, warum sie diese unsterblichen Zeilen von sich gab:

"Ich trinke Champagner, wenn ich froh bin, und wenn ich traurig bin. Manchmal trinke ich davon, wenn ich allein bin; und wenn ich Gesellschaft habe, dann darf er nicht fehlen. Wenn ich keinen Hunger habe, mache ich mir mit ihm Appetit, und wenn ich hungrig bin, lasse ich ihn mir schmecken. Sonst aber rühre ich ihn nicht an, außer wenn ich Durst habe."

Aus dem Verkostungstagebuch

Kurzer Trip nach Assmannshausen

Endlich, die legendäre „Krone“ ist nach dem jüngster Besitzerwechsel an einen arabischen Geschäftsmann wieder geöffnet. Ob das gegenwärtige kulinarische Konzept auf Dauer so funktionieren wird, ist noch völlig ungewiss. Auch bei der Schulung des Personals besteht noch Bedarf. Doch auf der Krone-Terrasse zu sitzen, den Blick auf den Rhein und das Schweizer Haus am Gegenhang zu genießen und eine Flasche 2014 Rüdesheimer Riesling von August Kesseler (war zwar nicht auf der Karte, aber fand sich irgendwo…) zu trinken, das ist großartig. Weiter ins Weingut Krone, dessen völlig unverständliche Abtrennung vom Hotel dessen früherer Schwelmer Besitzer zu verantworten hat. Ein Glück hat jetzt hier das Weingut Wegeler das Sagen, und Peter Perabo und Michael Burgdorf wirken mit dass hier eine großartige Kollektion bereitsteht, vom 2015er Riesling Alte Reben (süffiger Trinkfluss) über den 2014er Weißburgunder (klasse!) und den etwas zu sehr weichgespülten 2015 Blanc de Noir bis zum markanten 2015 Krone Spätburgunder. Ein Rotwein-Juwel ist der 2012 Spätburgunder „Juwel“… derzeit mit Sicherheit einer der stärksten seiner Art im Rheingau. Hut ab. Eine geschmackliche Offenbarung war zudem der 2013er Rothenberg Riesling Sekt brut … ein großer Sekt aus VDP.Großer Lage. Den Weißburgunder haben wir mitgenommen und nach der Seilbahnfahrt hoch zum Jagdschloss Niederwald im „Rittersaal“ des Osteinschen Parks bei prächtiger Sicht ins Mittelrheintal geleert. Zur Fuß zurück in den Ort und ab die „Alte Bauernschänke“. Essen, Service und Wein gut… im Weingut Konrad Berg tut sich was…. die 2015 Riesling Spätlese aus dem Lorcher Pfaffenwies war jedenfalls exzellent, und mit dem formidablen Rumpsteak harmonierte der 2015 Höllenberg Spätburgunder „S“ aus dem Barrique sehr gut. Ein Hoch aus Assmannshausen und seinen Höllenberg.

 Südafrika-Nachmittag

La Motte 2016 Chardonnay, Bouchard-Finlayson 2015 Chardonnay Crocodiles Lair und Dornier 2016 Chenin Blanc Bush Vine haben guten Freunde für uns geöffnet, und das war ein herrlicher Kurzurlaub mit dem Gaumen und bedeutete ein Schwelgen in Erinnerungen. Drei wirklich gute Weine, wobei der Chenin Blanc einen Trinkfluss entfaltete, der ihm am Ende den Sieg bescherte. Schmeckt nach mehr, nach viele mehr!

Spätburgunderjahr 2009

Allendorf Quercus Superior, Sohns Mäuerchen "M" und Koegler  Sonnenberg 1. Gewächs, das war eine eher zufällige Vergleichsprobe 2009er Pinots aus meinem Keller... und zeigte, wie großartige dieser Jahrgang für Rheingauer Pinot war... einer besser als der andere mit leichtem Vorteil für Allendorf.

Sauvignon blanc im Weedenbornhof

Gesine Roll hat zu Recht einen Ruf wie Donnerhall für Sauvigon blanc deutscher Herkunft erworben, das zeigte Probe aus Keller und Fass mit Sauvignons der Jahre 2016 bis 2018. Die Weine haben Zug, Finesse und Ausdrucksstärke und zeigen sehr schön die Charakteristik der Rebsorte. Meine Favoriten waren 2017 Terra Rossa Westhofen und 2016 Reserve, der eine echte Sauvignon -Majestät ist und trotz Konzentration und Wucht auch ein Ausbund an Trinkfreude darstellt.

Pilgerfahrt nach Bordeaux

Es sind schon viel zu lange her, dass ich als „Wein-Entertainer“ und Weinautor an Bord eines Kreuzfahrtschiffes einmal die Weinküsten Europas entlangfuhr und dabei auch in Bordeaux einen Stopp einlegte, um die Kreuzfahrer zu einigen Weingütern zu begleiten. Jetzt war endlich mal Zeit und Muße für einen intensiven Kurztrip in die Weinhauptstadt der Welt. Die Stadt hat sich seither wirklich sehr verändert… und sehr zu Ihrem Vorteil. Wer nach der Ankunft zum Dinner das „La Brasserie Bordelaise“ aufsucht, hat schon viel richtiggemacht. Das Essen ist phänomenal, ebenso die Weinauswahl. Es lohnt sich dabei durchaus, als Aperitif auch mal einen weißen 2017 Semilion-Sauvignon blanc wie von Chateau Thieuley zu trinken. Der guten Brasserien gibt es viele, und viele sind auch sehr empfehlenswert, so auch „La Petite Gironde“ am rechten Ufer, oder „La Plana“ am Siegesplatz. Der Schatz Bordeauxs aber sind die vielen Weinbars, die alle abzuklappern jeden Besucher überfordert. Ein Muss aber ist die „Bar a Vin“ an der Straße des 30. Juli, NACHDEM man zuvor die Wendeltreppe des Weinhauses „L ´Intendant“ hochgestiegen ist, um die dort gemachten Erfahrungen zu verarbeiten…. Danach am besten zum „Millesime“ mit besonders feinen Tapas. Ebenfalls nicht zu verachten sind „Au 4 Coins du Vin“ und die „Max Bordeaux Wine Gallery.“ Besonders gut gefallen hat mir auch „Le Wine Bar“ (Fois Gras und Rosé) und noch drei Häuser weiter an der Rue Bahutiers das „Vins Urbains“ (Sardinen und Weißwein). Das alles sind gute Vorbereitungen in Bordeaux auf DIE Pilgerstätte für den Weinenthusiasten, die Cité du Vin am Ufer der Gironde… Das ist eine schwer zu beschreibende Mischung zwischen imposanten Weinmuseum, Weinshop, Weinbar, Weinrestaurant, Aussichtsturm, Degustationshalle (8. Stock) und Andenkenladen. Go and see! – den passenden Imbiss am besten danach in der „Markthalle“ gegenüber. Und der richtige Platz zum den Tag noch einmal Revue passieren zu lassen ist die „Rooftop Bar“ im Hotel Mama Shelter

Am Kaiserstuhl, der Perle Badens

Der Kaiserstuhl, die Perle im fast 16.000 Hektar großen badischen Weinmeer, in dem noch immer die die Genossenschaften die großen Fische sind, allen voran der Badische Winzerkeller in Breisach mit 51 Genossenschaften als Mitglieder… 1000 verschiedene Weine werden dort erzeugt, 200 gibt es in der Vinothek, und einige sind durchaus beachtlich wie die Peter Steger-Linie (die Zentralkellerei stellte kürzlich den Gewinner des Grauburgunder-Preises…!). Aber natürlich sind wir wegen der Spitzenwinzer in die Region gefahren - und wegen der Schönheit der Region.

Beides lässt sich bestens bei Franz Keller erleben. Wir haben die neue Keller bisher nur als Rohbau in Erinnerung, aber erwartungsgemäß wurde alles schmuck und imposant. Extrem freundliches Personal in der Vinothek, die alle Spitzenweine unentgeltlich ausschenkt. Wir haben alles an verfügbarem Weißwein aus Erster und Großer Lage sowie der Linie „Franz Anton“ verkostet und waren sehr beeindruckt, vor allem vom 2016 Leh GG Weißburgunder und dem Grauburgunder GG aus dem Achkaarrer Schlossberg sowie Oberrotwein Eichberg, aber auch der Pulverbuck und ebenso der Bassgeige Weißburgunder von 2017 sind phänomal gute Weine mit hohem Trinkfluss. Beim Essen im Rebstock ließ sich darüber noch trefflich fachsimpeln.

Nicht minder beeindruckend ging es beim Großmeister Joachim Heger zu. Was ist der Ihringer Winklerberg für ein großartiges Terroir! Gekauft haben wir unter anderem den 2017er Silvaner aus Erster Lage, der an diese große Rebsorten-Tradition am Kaiserstuhl erinnert (überaus gut: 2017 Silvaner*** „Pferd Willi“) und mineralisch-süffig daherkommt. Die Weißburgunder GGs 2016/17 Rappenecker sowie 2017 Vorderer Winklerberg und 2016 „Gras im Ofen“ haben uns in Staunen versetzt. Saugut! 2015 und 2016 Mimus Pinot waren eine Offenbarung, ebenso die Spitzenpinots aus 2016, Häusleboden und Rappenecker. Da kommt Großes auf die deutschen Rotweintrinker zu. Und zum Finale dann 1997 Winklerberg Spätburgunder Auslese***… Hut ab und vielen Dank, Joachim!

Kaum minder freundlich ging es übrigens in der „Rostlaube“ zu, dem architektonisch auffälligen Weingut Abril der Familie Haub. Der 2016 Weiße Burgunder aus der Stein-Linie und der trockene 2016 Chardonnay aus der Zeit-Linie haben uns sehr überzeugt (der 2015 Pinot dagegen nicht), und überraschend charmant fanden wir die 2017er Scheurebe mit klarer Frucht und Mineralität.

Unsere Neuentdeckung war das Weingut Michel in Achkarren. Die Familie hat gerade den ersten Jahrgang mit dem VDP-Adler vorgestellt, und wir waren hin und weg. Jeweils vier Weiß- und vier Grauburgunder in einer klaren differenzierten Abstufung, das gefällt. Und einer war besser als der andere zu einem (noch) phänomenalen Preis-Leistungsverhältnis. Beeindruckt haben uns zudem die beiden Chardonnays aus dem Schlossberg. Hier kann nur jedem geraten werden, sich einzudecken, bsp. mit dem Achkarrer Weißburgunder Ortswein oder dem noch mineralischeren „Tephrit“. Auch der 2015 Pinot aus dem Schlossberg war hevorragend. Eine echte Perle am Kaiserstuhl!

Das Schöne am Kaiserstuhl ist zudem, dass sich auf halbem Wege nach Eltville das Weingut Klumpp in Bruchsal zu einer Rast geradezu aufdrängt. Ich habe die Weine hier im Blog schon vor einiger Zeit beschrieben, und wir können nichts anderes berichten, als dass auch die aktuelle Kollektion, von der wir nur einen klitzekleinen Ausschnitt verkostet haben, wieder top gelungen ist. Allen voran der 2017 Weißburgunder aus dem Kirchberg, wobei schon der „einfache“ 2017 Weißburgunder hervorragend und der 2017 Auxerrois eine unbedingte Kaufempfehlung in diesem badischen Vorzeigeweingut ist.

Aus dem Verkostungstagebuch

Ein Hoch auf Hochheim

So ein Sonntagnachmittag in Hochheim kann höchst vergnüglich sein, vor allem wenn Himmel, pardon Peter Flick, geöffnet hat. Der Übergang ist vollzogen, in der Holger-Crafoord-Straße weht ein neuer Wind. Noch allerdings gibt es – wie jetzt beim Hoffest - auch phänomenale Himmel-Weine wie 2017 Weiß Erd und 2017 Hölle Riesling trocken… auch das 2017 Erste Gewächs ist sehr gut. Ich rate, sich nicht nur aus sentimentalen Gründen mit Himmel einzudecken, das sind Weine mit Potential und Zukunft. Für den jungen Peter Flick beginnt nun die Herausforderung, wir sind hoch gespannt… 2017 "Verflickst" Riesling trocken ist schon mal ein Anfang….

Über die Anfänge weit hinaus ist Fabian Schmidt im Weingut „Im Weinegg“ in der Kirchstraße. Die Jahrgangsverkostung, in die wir eher zufällig reingeschneit sind, war eine Offenbarung. Hier zeigt die Tendenz steil nach oben, 2017 hat uns außerordentlich gut gefallen, sogar der „Summer Jam“ und ein Secco Rosé. Gekauft haben wird 2017 Domdechaney Spätlese trocken und den 2014 Riesling aus dem Barrique mit dem etwas befremdlichen Namen „Perle Blanche“. Aber auch die Alten Reben aus der Hölle überzeugten! Kompliment!

Weiter zu Künstler mit Jahrgangsverkostung, dazu Knipser (2014 Kalkmergel Spätburgunder!) und Heymann-Löweinstein (2017 Uhlen Große Lage!) zu Gast…. lost in paradies! Was soll ich sagen…, ich mach es ganz und unverdient kurz: Neun Große Gewächse von Künstler im Angebot, eines besser als das andere….

Danach erstmal was Deftiges: Hacksteak und Schnitzel bei Dienst im Dorotheenhof. Immer eine Bank, immer lecker, und dazu dann natürlich den 2015er Pinot aus dem Barrique, den Vize-Sieger des diesjährigen Pinot-Cups sowie ein fein gereiftes Erstes Gewächs aus dem phänomenalen Jahrgang 2013 und der Hochheimer Hölle. Made my day!!!

Rußler, Rauenthal

2017 Johanniter trocken…. Johanniter? im Rheingau? Ja, der experimentierfreudige Winzer Uwe Rußler hat die pilzwiderstandsfähige Rebsorte in Rauenthal gepflanzt und jetzt den ersten Ertrag. Johanniter wurde 1968 am Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg von Johannes Zimmermann gezüchtet und ist das, was der Wissenschaftler und der Winzer einer guten PiWi erwartet: Gute bis mittlere Resistenz gegen falschen und echten Mehltau, hohe Erträge, früher Austrieb (Achtung Frost!) und dabei aber gute Mostgewichte. Erstaunlich gute Säure, die ihn auf den ersten Schluck durchaus mit Riesling verwechseln lässt… scheint mir für vor allem für Schoppenweine schon mal gut geeignet… sehr klar, recht kräftig, gut. Sollte man im Auge behalten…

Mohr, Lorch

1985 Lorcher Krone Riesling Auslese – ja, auch in den achtziger Jahren ging etwas, auch wenn das Jahrzehnt fast zum Vergessen war… diese Auslese ist eine Besonderheit, sehr typisch, sehr gut.

Kruger-Rumpf, Münster-Sarmsheim

2016 Scharlachberg Riesling GG – großartiger Weinberg, großartiger Wein mit Tiefgang, die Aromen immer stark von Ananas und Mange dominiert, sehr elegant und finessenreich, guter Trinkfluss

Schloss Schönborn, Hattenheim

2003 Nussbrunnen Riesling Erstes Gewächs – aus den goldenen Tagen von Schönborn, da ging im heißen Jahr auch was mit lagerfähigen trockenen Weinen, Kompliment nach Hattenheim!

Ehrhard, Rüdesheim

Kaum einer hat es mitgekriegt, aber Ehrhard hat tatsächlich vom 28.8. bis 8.9. mal wieder geöffnet unter dem Motto „Zurück zu den Wurzlen“. Fein! Und die Verkostung der 6 trockenen „Urstücke“ des Jahrgangs 2016 bereitet jetzt ein wirklich großes Vergnügen: Und für mich bleibt es dabei: Rottland „Rottland“ und Roseneck „Unterer Platz“ sind meine Favoriten, knapp vor Rottland „ Am Brunnen“ und Rottland „Wilgert“.

VDP-GG-Vorpremiere in Wiesbaden

Wann fällt das Urteil über die Güte eines Weinjahrgangs? Nach einem klimatisch günstigen Sommer? Direkt nach der Ernte, wie bei den Bauern? Oder nach der Abfüllung und den ersten Verkostungen im Frühjahr? Weder noch, wenn es nach dem Verband der Prädikatsweingüter geht, der sich mit seinen knapp 200 Weingütern als Speer- und Qualitätsspitze der Branche sieht. Denn wenn zum Ende des Sommers manche Basisweine schon ausgetrunken sind, kommen erst die trockenen Spitzenweine auf den Tisch. Die „Großen Gewächse“ aus den mehr als 300 besten deutschen Weinbergslagen dürfen nach seinen Statuten erst nach dem 1. September des auf die Ernte folgenden Jahres verkauft werden. Und manche Winzer wie im Rheingau Peter Jakob Kühn nehmen sich sogar freiwillig zwei Jahre Zeit, ehe sie die Spitze ihrer Qualitätspyramide erstmals der Öffentlichkeit vorstellen.

Der Ort für diese deutsche „Vorpremiere“ Ende August sind die Kolonnaden des Kurhauses Wiesbaden. Hier sind vor allem Weinfachjournalisten und Weinblogger gefordert, sich ein Bild zu machen und das vorerst finale Urteil über den Jahrgang 2017 zu fällen. Für den VDP ist dieses Urteil wichtig, denn vor allem mit diesen Weinen rührt er die Werbetour für den deutschen Spitzenwein. Der Trend ist positiv. Immer mehr VDP-Betriebe – die Zahl stieg von 78 im Jahr 2003 auf derzeit 186 – erzeugen jetzt solche Gewächse, und ihr Durchschnittspreis ist fast kontinuierlich auf 34 Euro gestiegen.

Wie also schmeckt der Jahrgang 2017: Die Antwort steckte im Kurhaus in 22 Kühlschränken. Dort wurden 4250 zuvor eingesammelte, sortierte, nummerierte und katalogisierte Weine gekühlt und von 50 Helfern ausgeschenkt. 3500 Gläser wurden an den drei Tagen benötigt, um rund 150 Weinexperten aus Deutschland, Europa, den Vereinigten Staaten und Asien ein fachkundiges Urteil zu erlauben. Harte Arbeit sowohl für den Service als auch für die Juroren, die sich für ein vollständiges Urteil 426 verschiedene Weine an drei Tagen einschenken lassen müssen. Das setzt eine ausgefeilte Logistik der Veranstalter und harte Arbeit der Verkoster voraus. Die weit herumgekommene britische Weinjournalistin Jancis Robinson sprach einmal von der vermutlich „bestorganisierten Weinprobe der Welt“.

Mancher Tester wird sein Urteil erst in einigen Wochen oder Monaten publizieren, andere ließen sich online über soziale Netzwerke über die Schulter schauen. Der frühere Rheingauer Winzer und Weinblogger Dirk Würtz stellte dabei gleich zu Beginn seiner Live-Notizen klar, dass heute nur noch der jeweilige Erzeuger und seine Arbeit am Ende zählen, nicht der Jahrgang an sich: „Qualitativ betrachtet gibt es keine schlechten Jahre mehr. Es gibt kühlere und wärmere, trockene und nasse Jahre. Aber eben keine schlechten mehr.“ Recht hat er, wie ich in der Sonntagszeitung vom 26. August dargelegt habe.

Würtz fasst seine nachfolgenden Weinurteile und die vieler Kollegen gut zusammen. Weine, die Begeisterung hervorriefen, und andere, die einer Erwähnung nicht wert waren. Der Jahrgang selbst bot jedoch alle Möglichkeiten, herausragende Weine zu produzieren.

Ich selbst war bei meiner kurzen Probe einigermaßen begeistert von sehr vielen Weinen. Der Rheingau schnitt gut ab, aber auch Rheinhessen und – zu meiner Überraschung – Franken zeigten sich bärenstark, die Pfalz ist ohnehin immer eine Bank. Besonders spannend fand ich diesmal Proben mit Lagen, aus denen vier oder gar fünf Winzer GGs erzeugt haben, beispielsweise

6x 2017 Forster Ungeheuer Riesling GGs von Acham-Magin, Bassermann-Jordan, Reichsrat von Buhl, Georg Mosbacher, Georg Sieben Erben sowie Bürklin-Wolf (2016). Trotz unterschiedlicher Stilistik blieb die einheitliche Herkunft gut erkennbar, Buhl und Bassermann bei mir die Favoriten mit Zug, Kraft, gutem Druck am Gaumen, Tiefgang…

5x 2017 Niersteiner Hipping Riesling GGs von St. Antony, Gunderloch, Kühling-Gillot, Keller und Schätzel, wunderbarer Flight, ich sah wegen der Finesse und Komplexität Keller und Gunderloch an der Spitze, aber denkbar knapp…

4x 2017 Rüdesheimer Schlossberg Riesling GGs von Wegeler, Künstler, Kesseler und den Staatsweingüter – für mich hat Künstler in der steilsten Lage des Rheingaus den Vogel abgeschossen, unglaublich präsent, komplex, langer Nachhall, große Zukunft…..

Bodensee-Weine

3 Tage Bodensee, da lechzt die Seele des Weintrinkers natürlich nach den badischen Weinen der Region… Aufricht, Staatsweingut Meersburg, Markgraf von Baden, Kress, da geht doch was….?!? Ja, aber, lautet das Fazit. Es gibt leckere Weine, vor allem als Schoppen und in der Mittelklasse… nach oben hin wird die Luft dünn…

Aufricht: unser Favorit! Schön über dem Bodensee gelegenes Weingut, freundliches Personal, am Ende ein Sekt auf Kosten des Hauses auf der Terrasse mit Blick über den See… sehr schön. Wir haben fast ausschließlich die Lilien- (= Premium-) Weine verkostet und war meist angetan. Der 2016 Chardonny (1 Lilie, kaufen!) und der 2017 3 Lilien-Riesling haben am besten gefallen, gut auch die Sauvignons. Allerdings zeigten die Spätburgunder en hohe Maße an fortgeschrittener Reife und Rumtopf-Aromen, die uns eher missfallen haben.

Staatsweingut Meersburg: Top Ensemble am Wasser, aber das Personal unfreundlich bis ungebildet (im Hinblick auf Wein), und das Verhältnis zum Pächter (?) der Gutsschänke scheint auch eher zerrüttet…. sehr seltsam. Die Vinothek strahlt das Ambiente einer Genossenschaft aus, die Mittelklasse-Weine (sämtlich um 10 Euro) enttäuschten auf breiter Front. Recht gut gefiel der 2016er ***Chardonnay aus der Chorrherrnhalde. Dass uns vom Kauf der Restflaschen des genauso teuren (17,50 Euro) 2014 ***Chardonnay abgeraten wurde („hat schon einen Alterston“) hat uns bei einem Barriquewein irgendwie doch sehr irritiert… wir haben uns vom Kauf nicht abhalten lassen….Hohentwieler und Meersburger Riesling sowie Weißburgunder vom Jungfernstieg waren grundsolide, aber nicht animierend. Irgendwie waren wir doch enttäuscht, wie das Land seine Rolle interpretiert…

Ansonsten habe wir vieles getrunken, was uns mehr (2017 Müller-Thurgau und 2016 Auxerrois von Kress) oder weniger (2016 Birnauer und Bermatinger Spätburgunder vom Markgrafen) gefallen hat… leider hat die Gastronomie selbst nicht immer das große Zutrauen zu den Weinen der Region, wie die Weinkarten bsp. in Überlingen zeigen…

Es gibt keine Jahrhundertweine mehr... oder nur noch...?!?

Ein deutscher Sommer muss nur lange genug trocken, sonnig und heiß sein, und schon irrlichtert das Wort vom „Jahrhundertwein“ durch die Öffentlichkeit. Viele Winzer stemmen sich nur halbherzig gegen derlei überzogene Hoffnungen, sorgen sie doch für Aufmerksamkeit und halten die Erwartungen an den neuen Jahrgang hoch. Für die Qualität des deutschen Weins aber ist ein goldener Herbst weitaus wichtiger als ein trocken-heißer Sommer.

Das hat viele Gründe. Regen kurz vor und während der Ernte begünstigt die Fäulnis in den Trauben, und die Infektionsgefahr ist umso höher, je wärmer das Frühjahr und der Sommer ausfallen. Denn dann fällt die Lese in den feuchtwarmen September und nicht in den Oktober mit seinen meist kühleren Nächten. Viel Sonne lässt zwar den Zuckergehalt in Beeren und damit das Mostgewicht steigen. Doch viel Zucker bedeutet bei der Vergärung zu einem trockenen Wein auch viel Alkohol, und der ist bei der deutschen Renommiersorte Riesling nur noch in Maßen erwünscht. Der Riesling verliert zudem seinen Charakter, wenn das heiße Klima der eigentlich markanten Säure zu sehr zusetzt.

Hinzu kommt, dass immer mehr Winzer die Güte ihrer Weine nicht mehr über das Mostgewicht und daran geknüpfte Prädikatsstufen wie Kabinett, Spätlese oder Auslese definieren, sondern über die die Herkunft, die jeweilige Weinbergslage. „Je enger die Herkunft, desto höher die Qualität“ laut das neue Credo der Qualitätspyramide beim Wein. Der Verband der Prädikatsweingüter hat dieses System schon etabliert, das einer Abkehr vom traditionellen Prädikats- und hin zum modernen Terroir-Wein gleichkommt. Der Wein als Fingerabdruck des Bodens ist das neue Ideal. Und die Nennung der Lage auf dem Etikett soll überdies ein Qualitätsversprechen sein. Der Deutsche Weinbauverband würde gerne nachziehen, doch viele Winzer sind konservative Landwirte, die Veränderungen mit großer Skepsis gegenüberstehen.

Schon jetzt lässt sich sagen, dass 2018 wohl kein Jahrhundertwein wird. Sonne hin, Hitze her. Denn Jahrhundertweine waren in der Vergangenheit meist das zufällige Ergebnis einer Laune der Natur. Dank moderner Technik in Weinberg und Keller und dank eines tieferen Verständnisses für die richtigen Schritte am Rebstock und Tank bedarf es dieser Zufälle heute nicht mehr. Überdies sind die Winzer die Gewinner des Klimawandels. Dieser Klimawandel lässt sich im Rheingau ziemlich genau auf das Jahr 1988 datieren. Katastrophale Jahrgänge, wie in den Jahrzehnten zuvor immer wieder notiert wurden, zuletzt 1980 und 1984, gibt es seit 30 Jahren nicht mehr.

Als deutsche Jahrhundertjahrgänge der Nachkriegszeit gelten beispielsweise 1959, 1971 und 1976. Für Goethe war es übrigens der Kometenjahrgang 1811, über den der Pfälzer Weinpionier Andreas Jordan seinerzeit schrieb. "Seit 1783 wurde kein solch vortrefflicher Wein erzielt als wie in diesem Jahre; der Winter war sehr gelind und ohne Eis und Schnee schnell vorüber. Das Frühjahr, und mit demselben die Vegetation, begann im Februar, im Mai waren die Weinstöcke in völliger Blüte und die Trauben an Mariä Geburt völlig reif." Wie er tatsächlich geschmeckt hat, ist leider nicht überliefert.

In solchen klimatisch außergewöhnlichen Jahren schenkte die Natur den Winzern ungewöhnlich gesunde und sehr zuckerreiche Beeren. Die süßen und edelsüßen Weine jener Jahre sind legendär, sofern sie aus den Kellern qualitätsorientierter und ambitionierter Winzer stammen. Denn selbst in herausragenden Weinjahren kann ein wenig ambitionierter und mäßig ausgebildeter Winzer auch nur mäßige Weine erzeugen. Das gilt im übrigens auch für Weine aus herausragenden Lagen. Allerdings fanden die Weine aus den Siebzigern auch deshalb so viel Beachtung, weil süße Rieslinge jener Zeit noch einen vergleichsweise großen Markt hatten, und Deutschland für seine edelsüßen Weine berühmt war. Dieser Markt hat sich zu einer kleinen Nische gewandelt.

Die Ära der großen trockenen Weißweine ist längst im Gange. Und auf die Gunst der Natur sind die Winzer nur noch eingeschränkt angewiesen. „Wer sein Handwerk versteht, produziert jedes Jahr einen ´Jahrhundertwein´“, sagt beispielsweise der Rheingauer Winzer und Weinblogger Dirk Würtz. Denn was früher Zufall war, hat heute System. „Es wird keinen schlechten Wein mehr geben“, bestätigt der Assmannshäuser Starwinzer August Kesseler: „Früher haben sich die Jahrhundertweine selbst erzeugt, heute machen die Winzer den Jahrgang.“

Kesseler gehört dem VDP an, und wenn dessen Mitglieder nach der Ernte wieder durch Deutschland touren, um ihre Spitzengewächse vorzustellen, dann sind das die trockenen „Große Gewächse“ aus klassifizierten Spitzenlagen, und nicht die allenfalls in homöopathischen Mengen geernteten edelsüßen Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen. Die trockenen „Großen Gewächse“ sollen ihre Herkunft, das Terroir des Weinbergs widerspiegeln. Ob das gelingt, oder ob nicht doch die Handschrift und der Stil des jeweiligen Winzers den Wein prägen, ist Gegenstand endloser Diskussionen und wiederkehrender Verkostungen. Diese zeigen zumindest eines in großer Klarheit: Große deutsche Weine bedürfen keiner Jahrhundertsommer mehr. Für sehr gute Weine wären schon drei trockene Wochen jeweils vor und während der Lese hilfreich. Ein heißer Sommer nicht.

Das zeigt der Blick zurück ins Jahr 2003, der bis heute viele Hitze-Rekorde hält. Über die trockenen Weine jenes Jahrgangs, vor allem die Rieslinge, verliert heute fast niemand mehr ein Wort: zu breit am Gaumen, zu wenig Säure, bisweilen sogar brandig, zu viel Alkohol, keine Finesse, keine Eleganz, das war und ist bis heute bei Verkostungen zu hören. Zwar bescherte das Jahr einigen Winzern auch Trockenbeerenauslesen mit bis dahin nicht gekannten Oechslewerten jenseits der 300 Grad. Jahrhundertweine sind aber auch das vielfach nicht. Zumindest aus heutiger Sicht. Denn Jahrhundertjahrgänge und –weine werden nicht selten erst mit großer Verspätung erkannt. Die Bordeaux-Weine des Jahrgangs 1982 sind so ein Beispiel. Nicht die Natur und die Winzer haben sie dazu erkoren, sondern Weinpapst Robert Parker mit seinen enthusiastischen Bewertungen. Schließlich muss jemand einen Jahrhundertwein als solchen erkennen und proklamieren – egal in welchem Abstand zur Ernte. Auf einem anderen Blatt steht, ob jeder Weinfreund dann einen solchen Tropfen als Jahrhundertwein anerkennt. Und nicht beantwortet ist die Frage, ob Jahrhundertweine deutscher Provenienz immer edelsüß sind – oder gar sein müssen.

Um zu erkennen, dass die Jahrhundertsommer den Jahrhundertweinen bisweilen sogar entgegenstehen, hilft eine Vertikalverkostung. Wer alle Großen Gewächse des für seine Rieslinge berühmten Kiedricher Weinguts Robert Weil seit dem Jahr 1999 verkostet, der ist verblüfft. Nicht der trockene Spitzenwein des Jahrgangs 2003 oder der ebenfalls sehr warmen und vermeintlich sehr guten Jahre 2005, 2007 und 2009 sticht hervor, sondern der Vertreter des seinerzeit zunächst als typisch und durchschnittlich bewerteten Jahrgangs 2004. Dicht gefolgt von 2008 und 2013. Alle drei in der Einschätzung von Winzer Wilhelm Weil „mittelreife Jahrgänge, in denen aber offenbar am ehesten trockene Jahrhundert-Rieslinge gekeltert werden können. 2011 kommt im Hinblick auf den Vegetationsverlauf dem aktuellen Jahr am nächsten. Der Reifebeginn am 30. Juli war in diesen beiden Jahren der früheste seit Beginn der detaillierten Aufzeichnungen 1955. Auch vor sieben Jahren wurde kein Jahrhundertwein geerntet. 1976 war der Reifebeginn erst am 10. August, 1971 nochmal vier Tage später.

Am Ende entscheiden nicht nur die Winzer und Weinjournalisten mit ihren Punkten, sondern auch der Markt, was Jahrhundertweine sind. Danach fielen wohl der 1945er Chateau Mouton-Rothschild, der 1947er von Chateau Cheval blanc, der 1961er von Chateau Palmer, der 1937er von Chateau Yquem, 1982 von Romanée-Conti und die 1920er Trockenbeerenauslesen der Staatsweingüter in diese Kategorie. Diese Jahrhundertweine sind Gewächse aus besten Lagen, geerntet in klimatisch optimalen Jahren - vor dem Klimawandel - und erzeugt von maximal ambitionierten Erzeugern. Sie sind meist besonders lagerfähig und erzielen auf Auktionen Höchstpreise. Damit sind sie ein wichtiger Teil der europäischen Weingeschichte. Das Kapitel über frühzeitig ausgerufene “Jahrhundertweine“ aber wäre wohl zu Ende geschrieben, wenn die Versuchung nicht zu groß wäre, einem Jahrhundertsommer auch einen Jahrhundertwein anzudichten. (aus der FAS vom 26. August 2018)

Sehen wir uns auf dem Weinmarkt?

Der 40. Rheingauer Weinmarkt wird am Mittwoch, 29. August, um 18 Uhr eröffnet. Neben dem Austausch zwischen Winzern und Kunden soll auch die Kulinarik nicht zu kurz kommen. Und am Samstag, 1. September, ist Oliver Bock, Autor des Reiseführers „Rheingauer Weinschmecker“, von 16 bis 18 Uhr zu Gast am Stand des Weinguts Mohr, direkt vor dem Apple-Store. Das Weingut hat im vergangenen Jahr mit einem Riesling die „Schoppentrophy“ des Weinschmeckers gewonnen. Den edlen Tropfen wird Bock dann ausschenken, sein Buch signieren und für Fragen bereitstehen. (aus der FNP vom 23.8.18)

Erstes Gewächs Rheingau 2017

2017 könnte der letzte Jahrgang der Ersten Gewächse gewesen sein, 2018 soll es ein „Rheingau.Großes Gewächs“ nach Vorbild der GGs aus „VDP.Großer Lage“ geben. Das kündigte Weinbaupräsident Peter Seyffardt am Rande der Ersten Gewächs-Präsentation im Festsaal des Rathauses Wiesbaden an, während direkt vor dem Rathaus die 43. Rheingauer Weinwoche ausklang. Doch bis zum „GG für alle“ sind noch einige rechtliche Fragen zu klären (und bitte mit einem Beschluss zur Abschaffung der 13g Zucker-Obergrenze, schon 9 Gramm sind und waren häufig zu viel!) Der diesjährige Termin mit einer Woche Abstand zur VDP-GG-Verkostung im Kurhaus kann auch als Eingeständnis gewertet werden, dass die direkte zeitliche und räumliche Nähe nicht die erhoffte Aufmerksamkeit der Weinfachjournalisten gebracht hat, die ohnehin nach Wiesbaden zur VDP-Probe anreisen. Nun also wieder ganz eigenständig, auch der Wiesbadener OB Gerich schaute mal vorbei...

Insgesamt wurden von 24 Erzeugern 27 Rieslinge und ein einziger Spätburgunder vorgestellt. Das zeigt auch, dass für Pinot Noir diese EG-Kategorie von den Winzern selbst als überflüssig erachtet wird. Hier sind hohe Preise und ein guter Absatz auch ganz ohne Gütesiegel erzielbar. Abschaffen und volle Konzentration auf Riesling wäre die naheliegende Konsequenz. Aber vermutlich ist es wahrscheinlicher, dass irgendwann auch alle Burgunder-Sorten noch GG-tauglich sein sollen…, siehe die unglückseligen Beschlüsse zur Ausweitung der Landesweinprämierung auf andere Rebsorten, was für ein Quatsch…

Doch zum Riesling. Ich habe die Probe etwas homogener als in den Vorjahren erlebt. Es war weniger die grundsätzliche Qualität als die Stilistik, die teils sehr weit auseinander driftete und auch einige Fragen aufwarf. Ein Beispiel ist der holzbetonte Bischofsberg (86 Punkt) des Weinguts George. Das kann man genial finden, muss man aber nicht. Insgesamt ist festzuhalten, dass die Mehrzahl der Weine 8 bis 9 Gramm Restzucker aufwiesen, was zwar zulässig, aber nicht immer empfehlenswert ist. Die größte Strahlkraft wiesen eindeutig jene EGs zwischen 4 und 6,5 Gramm Restzucker auf. Dort paarte sich Straffheit mit gutem Zug und Druck am Gaumen, feiner Frucht, guter Struktur, Nachhall und Präsenz. Mehrere Winzer hätten selbst gern trockenere Weine vorgestellt, doch die Natur wollte nicht so…. die Weine blieben stehen. Dann ist es allerdings richtig, der Natur ihren Lauf zu lassen und nicht mit der kellerwirtschaftlichen Peitsche die Gärung voranzutreiben.

Zwei „Extremisten“ hatte wieder der Hattenheimer Stefan Gerhard mit Wisselbrunnen (89) und Schützenhaus (88) vorgestellt. Beide fast durchgegoren, beide um die 14 Prozent Alkohol – fast ein bisschen zu viel der Ecken und Kanten im Mund, aber durchaus - im positiven Sinne - interessant. Die Frage der Lagerfähigkeit ist für mich noch nicht beantwortet…

Die von mir organisierte Schoppentrophy ist in vielen Jahren übrigens schon fast ein Gradmesser für die Ersten Gewächse. Wenn den Lorcher Steillagen ein Jahrgang entgegenkommt, dann sind nicht nur schon im Frühjahr die Basisweine exzellent, sondern auch die Top-Weine im Spätsommer. Entsprechend rangierten daher auch hier Altenkirch und Mohr unter den EG-Besten: dem Pfaffenwies von Jasper Bruysten (92) kommt zugute, dass die Weine aus dem Quarzit-Boden sich schneller zugänglich zeigen als der Schiefer-durchsetzte Bodental-Steinberg von Jochen Neher, Mohr, (91+), der in der Jugend nur schwer in die Gänge kommt, dann aber fast immer großes Potential entfaltet. Auch der Schlossberg von Laquai (90) gefiel mir gut, zeigt sich aber noch recht verhalten und verschlossen.

Kläuserweg und Rothenberg sind zwei Geisenheimer Lagen, die außerhalb des Rheingaus nicht ausreichend geschätzt werden, obwohl sie ein sehr gutes Terroir für große Weine darstellen. Der Kläuserweg von Sohns (88+) kommt diesmal in der Jugend noch nicht an den Kläuserweg von Goldatzel (90) heran. Und weil der Bessere immer der Feind des (sehr) guten ist, muss sich der Kläuserweg von Groß dem Hasensprung aus dem eigenen Stall beugen (92+), das bedeutet den EG-Fotofinish-Sieg von Goldatzel vor Altenkirch. Fast doppelt so viel Restzucker (11,2) hat der Hasensprung von Trenz (88), was der Präzision und Eleganz durchaus etwas abträglich war. Trenz selbst sieht den Wein als Langläufer und den Zucker als notwendigen Treibstoff. Wir hoffen, den Wein im Auge – am Gaumen – behalten zu können. Sehr eigenständig wie im Vorjahr wieder der geschliffene, markante Rothenberg von Schumann-Nägler… (90+), auch wenn sich hier die Geister im Rathaus schieden… ich fand diesen Charakterwein klasse. Erfreulich, dass Schloss Schönborn diesmal deutlich stärkere Weine als im Vorjahr vorgestellt hat, der Nussbrunnen (89) zählt sicherlich zur erweiterten Spitze, ebenso der Siegelsberg von Crass (88+). Insgesamt taten sich die Güter 2017 im unteren Rheingau offenbar einfacher, Top-EG zu erzeugen als zwischen Hochheim und Winkel. Gewohnt solide zeigten sich Bausch, Himmel und Nikolai. Mit etwas mehr Mut und etwas weniger Restzucker wäre vielleicht noch etwas mehr drin… das trockene Jahr 2018 könnte die Verhältnisse im Rheingau vielleicht umdrehen, wenn wir 2019 die (vielleicht) ersten „Rheingau.Große Gewächse“ kosten. Persönlich bin ich im Hinblick auf den Jahrgang durchaus skeptisch… derart warme Jahre spielen dem trockenen (!) Riesling eigentlich nicht in die Hände…siehe 2003 &2004 oder auch 2007 & 2008 ... siehe dazu und mehr übrigens auch am Sonntag, 26.8., meinen größeren Text in der FAZ-Sonntagszeitung: Warum es keinen Jahrhundertwein mehr gibt.... 

43. Weinwoche Wiesbaden

93 Winzer und Weingüter, mehr als 1000 Weine und Sekte, 16 Essenstände, drei Bühnen, 50 Live-Bands, das ist die 43. Rheingauer Weinwoche in der Wiesbadener City, die längste Weintheke Deutschlands (vielleicht), in jedem Fall ein Muss… wir schlendern etwa jeden zweiten Tag drüber, und entdecken immer wieder Neues und Bewährtes…. Wie zum Beispiel:

Mohr, Lorch

2017 Rheingau Riesling trocken …. der Schoppentrophy-Sieger 2018 wird immer besser…., da hat die Jury einfach gut gewählt!

Wurm, Lorch

2016 Lorcher Riesling+ … sehr trocken, sehr präsent, sehr gut

Goldatzel, Johannisberg

wie nicht anders zu erwarten alles blitzsauber, geschliffen, geradlinig, beispielsweise 2017 Vogelsang Alte Reben Riesling feinherb! Aber auch das 2017er Beste Fass absolut begeisternd!

Schönleber-Blümlein, Winkel

2017 Hasensprung Kabinett trocken – immer ein verlässlicher, leckerer Riesling, die Visitenkarte von Frank Schönleber

Kaufmann, Hattenheim

Urban Kaufmann hat nicht nur leichtgängige Trinkweine wie den saftigen 2017er Riesling trocken (und natürlich meinen Favoriten, den 2017er „Tell“) mit gebracht, sondern auch zwei Schätzchen: 2009 und 2014 Wisselbrunnen Große Lage: Wow, allerdings zeigt sich auch, wie schnell die 2014er reifen, und wie sehr auf dem Höhepunkt 2009 jetzt sein kann, großartig, solche Weine gehören stets auch auf die Weinwoche!

Trenz, Johannisberg

2017 Riesling Alte Reben trocken – ein Obstkorb auf hohem Niveau, sehr fruchtig, sehr nachhaltig, Trinkfluss!

Lamm-Jung, Erbach

2016 Riesling Premium*** - der weitgehend durchgegorene Wein begeistert mich bei jedem Aufeinandertreffen mehr…

Diefenhardt, Martinsthal

2016 Riesling Alte Reben und 2015 „Wildes Holz“, der erstere sehr gut, feinfruchtig, elegant, gutes Säuregerüst, der zweite… tja, ich muss unbedingt mal eine Blindverkostung „Riesling meets Barrique“ organisieren, Koeglers Johannes G, Dillmanns Käuserweg Reserve, Barths Singularis, das wären schon mal weitere Kandidaten… wer kennt mehr?

Corvers-Kauter, Mittelheim

2016 Rüdesheimer Drachenstein Riesling Spätlese trocken – der Begriff „Spätlese“ ist hier zwar völlig überflüssig, denn der Wein ist auch so als großartig zu erkennen, aber gut: typischer Vertreter Rüdesheims, guter Trinkfluss, dabei aber mit großer Komplexität und Finesse, top! Und der 2016er Roseneck ist ein echter Charakterkopf mit Druck am Gaumen, Finesse und Länge, feine Ecken und Kanten!

Jakob Jung, Erbach

2016 Hohenrain Riesling GG – mal so zwischendurch ein GG von Jung, immer verlässlich, immer präsent, guter Druck am Gaumen, dabei dennoch spielerische Klasse zeigend, fein.

Allendorf, Winkel

2015 Jesuitengarten Riesling GG - also das ist außerordentlich gut und entwickelt sich wirklich prächtig, und wer in der Hitze etwas leichtes, erfrischendes sucht, der greife zum fruchtsüßen 2017 Allendorf Kabinett, ein trinkfreudiges Gewächs mit Spaßfaktor!

Barth, Hattenheim

bei Barth lohnt mal wieder ein längerer Aufenthalt, denn einerseits sind großartige Weine im Gepäck (bei mir hatte das 2015 Hassel GG die Nase leicht vorn vor dem 2016er Wisselbrunnen), und darüber hinaus nicht weniger als 6 Sekte... 2013 Schützenhaus brut nature ist (vermutlich) der beste Sekt, der auf Weinwoche insgesamt verkostet werden kann, allen Gegenvorschlägen gehe ich gerne nach. Das ist großes Perlen-Kino, gigantisch.... und weil der Bessere leider der Feind des sehr guten ist, muss sich der 2011 Ultra Pinot brut nature mit dem zweiten Platz begnügen... Was soll ich hier weiter viele Worte verlieren, selbst probieren!

Abteihof, Johannisberg

1985 Vogelsang Riesling Kabinett - Claus Odernheimer hat immer auch einen "Bückwein" für Fans gereifter Weine dabei, und diesen Kabinett hätte ich eigentlich 7-8 Jahre jünger geschätzt... sehr saftig, sehr klar, gute Säurestruktur... wer es jünger mag: der 2017er Riesling Kabinett trocken aus der Johannisberger Hölle ist ein leckerer Schoppen...

Schloss Johannisberg, Johannisberg

2017 Bronzelack Riesling trocken - einfach ein gelungener neuer Wein, auch wenn es im Hinblick auf Komplexität und Struktur noch Luft nach oben geht, aber schon jetzt jeden Versuch wert... lecker!

Altenkirch, Lorch

2017 Lorcher Krone und 2013 Lorcher Krone (Magnum) - was für ein reizenden Pärchen im Glas, 2013 ist einfach ein genial-guter Jahrgang für Riesling, sehr frisch, elegant, feinfruchtig, top

Freimuth, Geisenheim

2016 Unterer Bischofsberg Riesling GG - dieses neuen Gewann war mir bisher verborgen geblieben, aber jetzt bin ich recht begeistert, sehr würzig und stoffig, gute Länge, gute Zukunftsperspektive!

Speicher-Schuth, Kiedrich

2017 Gräfenberg trocken und 2016 Wasseros Erstes Gewächs - immer eine  Bank, immer reintönig, immer glasklar und elegant, in Stil und Handschrift unverkennbar, gut

Steinmacher und Sohn, Kiedrich

2017 Gräfenberg Kabinett und 2017 Klosterberg Terroir trocken, beide sehr geschliffen, klar, guter Trinkfluss

Künstler, Hochheim

2017 Chardonnay trocken und 2016 Stielweg Riesling Alte Reben... Weine voller Substanz, hier Kraft, da Finesse

Peter & Christine Keßler, Hallgarten

2017 Kabinett Riesling trocken ... der "Reparaturwein" zum Abschluss, schön wars, see you 2019!

Im Sektgut Bardong

Sektgut Bardong, Geisenheim

Norbert Bardong ist ein Sektkünstler. Und er will genau das, was die Sektindustrie scheut wie den Teufel das Weihwasser: Herkunft und Jahrgang eines (hervorragenden) Grundweins müssen im Sekt schmeckbar sein. Auch noch nach 36 oder mehr Monaten Hefelager. Gereife Weine exzellent veredelt und frisch degorgiert, das ist ein Erlebnis, dass Familie Bardong in ihrem schönen Keller nördlich des Geisenheimer Bahnhofs bietet. Hier liegen mehr als 200.000 Flaschen, rund drei Dutzend Winzer vertrauen ihre Weine Familie Bardong nicht ohne Grund zur Lohnversektung an. Wir haben uns nach längerer Zeit mal wieder durch die Kollektion getrunken, und waren wieder begeistert von Finesse und Eleganz… den nachhaltigste Eindruck haben die hinterlassen:

2014 und 2007 Chardonnay brut – feine Cremigkeit, guter Trinkfluss, langer Nachhall, feine Perlage, ein Genuss

2010 Erbacher Honigberg und 2010 Deidesheimer Hofstück brut – zeigt, welch großartiger Jahrgang 2010 für die Basis herausragender Sekte war, der Deidesheimer ist für einen „Pfälzer“ höchst ungewöhnlich, aber hochlecker.

2009 Assmannshäuser Hinterkirch extra brut – was ein großartiger Rotsekt. Das ist zwar nur was für Spezialisten, aber ideal auch als Essensbegleiter zu einem Sektmenü…eine Rarität im Rheingau, die jede Sünde wert ist…

1998 Bardong Reserve brut – ein Sekt zum Niederknien. Wirkt sehr frisch, feine Cremigkeit, dezente, noble Reife, feiner Duft, langer Nachhall… so was gibt’s nur hier! Hut ab! 

Aus dem Verkostungstagebuch

Weingut Dillmann, Geisenheim

2016 Kläuserweg Riesling Reserve Barrique**** - „Gut Ding will Weine haben“, lautet das charmante Motto von Dillmann in Geisenheim, der mal wieder seine Straußwirtschaft geöffnet hat. Das Familienweingut, das in kurzer Zeit von 3 auf 8,5 Hektar erweitert wurde, scheint auf einem gutem Weg, nicht nur wegen des stets großen Publikumsandrangs. Gerade ist ein neuer Keller im Bau… das könnte der Qualität nochmal einen Schub geben. Riesling & Barrique ist eine Verbindung, der wir sehr zurückhaltend gegenüber stehen. Doch dieser Kläuserweg – die Spitze der Qualitätspyramide – ist gut, sehr gut gelungen, übrigens auch der Drei-Sterne-Lagenwein mit seiner Frische und Eleganz… Hut ab.       

Reuter & Sturm, Walluf

Das Wallufer Weinfest hat leider das traurigste Ambiente aller Rheingauer Weinfeste… ein Parkplatz, der immer aussieht wie ein schlimmer Parkplatz, dazu Kräne, rostende Schiffe und Materialien am Ufer… Idylle sieht anders aus. Das Beharren der Winzer auf diesem Standort ist völlig unverständlich…. Mehr als eine kurze Stippvisite und einen Sekt muten wir uns hier nicht zu…

Roter Riesling Sekt brut sowie R+S Sekt brut – zwei sehr feinperlige Schaumweine aus dem Hause Reuter & Sturm, sehr cremig, elegant, guter Nachhall, Trinkfreude!

Schloss Johannisberg, Johannisberg

2017 Gelblack trocken – diesmal ist der Gutswein meines Erachtens herausragend gut gelungen, und am besten schmeckt er am neuen Weinprobierstand am „Goetheblick“, dem beliebten Aussichtspunkt östlich der Kirche. Dort einen Ausschank einzurichten, das war eine sehr gute Idee…. Top!

Hessische Staatsweingüter Kloster Eberbach

Mit der Weinloge der Kranenmeister gab es einen interessanten Dialog und Austausch, und dazu eine Reihe herausragender Weine, die das Potential gut widerspiegeln:

Höllenberg Spätburgunder GG 2013, 2014, 2015.. für mich hatte 2015 die Nase vorn, zumal 2014 schon recht stark gereift wirkt, aber dieser Ansicht war längst nicht jeder Verkoster….

2017 Crescentia trocken –Linie Neroberg, Baiken, Steinberger

Ja, Frucht oder Mineralität ist hier die Frage? Den Neroberger habe ich sofort erkannt, doch plädierte mein Gaumen eindeutig für den Steinberger, der Baiken stand irgendwie dazwischen…

Erbacher Marcobrunn Riesling GG, 2009, 2013, 2016… der Hammer, wie gut und frisch 2009 sich präsentierte… und wie befremdlich 2013, aber 2016 gewann die meisten Stimmen (nicht meine) für Süffigkeit und Komplexität….

Steinberger, 2017 Spätlese, 2015 Mauerwein, 1995 Spätlese – ein hochinteressantes Trio, wobei der Charme der Jugend einfach überwältigend war…

Griff in die Schatzkammer

1963 Erbacher Marcobrunn – so ein Mist, Kork!

1959 Steinberger Spätlese – aristokratisch, fein, elegant

1959 Höllenberg Spätburgunder Natur Cabinet – der Wein des Abends, ein Hut-ab-Wein bzw. eine Weinmajestät, vor der man sich verneigt. Wohl dem, der so eine Schatzkammer und so ein Lagenportfolio hat… aber da geht noch mehr…. !

Ott

 

2016 Grüner Veltliner Ried Feuersbrunner Rosenberg (Magnum) - Wow, ich muss endlich mal auf ein Veltliner und Sauvignon Gelage nach Österreich! 

Henkell schluckt Freixenet

Im Sekttrinken sind wir Deutschen ungeschlagene Weltmeister, köpften wir im vergangenen Jahr doch mehr als 400 Millionen Flaschen Schaumwein. Damit rinnen - statistisch gesehen - jedem Bundesbürger immerhin 3,8 Liter die Kehle hinunter. Das ist ein großer Schluck aus der Sektpulle, und den darf sich jetzt auch Henkell & Co. gönnen. Denn die Europäische Kommission hat der Übernahme des spanischen Konkurrenten Freixenet zugestimmt. Über den Preis kann – wie in solchen Fällen üblich - nur spekuliert werden, denn die Beteiligten hüllen sich in Schweigen. Nach Berichten von Branchenkennern war Freixenet zuletzt mit rund 440 Millionen Euro bewertet worden. Demnach haben die Wiesbadener, die 2017 auf einen Jahresumsatz von knapp 530 Millionen Euro kamen, etwa 220 Millionen Euro für 50,67 Prozent der Aktien auf den Tisch gelegt. Für die durstigen deutschen Sektliebhaber ändert sich dadurch wohl nichts. Für die Branche allerdings schon. Galt bislang stets das Prinzip, dass die Großen die Kleinen schlucken und dadurch noch größer werden, so hat es mit Freixenet nun ein traditionsreiches Schwergewicht der Schaumweinbranche getroffen. Doch die Spanier drückten dem Vernehmen nach schon länger nicht geringe wirtschaftliche Sorgen, während Henkell aus dem finanziell höchst potenten Haus Oetker offenbar auf eine gut gefüllte Kriegskasse zurückgreifen kann, wenn sich marktstrategisch bedeutsame Chancen eröffnen. Und eine solche ist der Kauf von Spaniens größtem Getränke-Exporteur und weltweit führendem Cava-Hersteller allemal. Freixenet hat Dependancen in 19 Ländern weltweit, darunter die Vereinigten Staaten, Argentinien, China und Australien. Seine Erzeugnisse werden in 109 Länder exportiert. Und mit einem Jahresumsatz von zuletzt rund 535 Millionen Euro lagen die Spanier sogar ganz knapp vor Henkell, der alles andere als ein Leichtgewicht ist. Henkell hat Tochtergesellschaften in 22 Ländern, die ebenfalls in mehr als 100 Länder rund um den Globus exportieren. Mit Sekt, Wein, Prosecco und Spirituosen ist Henkell Marktführer.

Eine Übernahme auf Augenhöhe bedarf bisweilen eines langen Atems. Schon im Frühjahr 2016 war die Übernahmeofferte an die Katalanen bekannt geworden. Die spanische Wirtschaftspresse berichtete seinerzeit zuerst von dem Gebot aus Hessen für den Mehrheitsanteil an Freixenet. Danach hieß es offenbar Abwarten und Tee trinken. Dass erst im März dieses Jahres der Kaufvertrag unterzeichnet wurde, soll unter anderem am anfänglich heftigen Widerstand einer der Eigentümerfamilien, am plötzlichen Tod eines Mitgesellschafters und an den Auswirkungen des katalanischen Freiheitskampfs gelegen haben. Denn der Stammsitz von Freixenet ist Sant Sadurní d’Anoia, und das liegt gar nicht weit von Barcelona. Das Unternehmen soll sogar eine Verlagerung des Firmensitzes erwogen haben, um wirtschaftlich nicht in den Strudel des politischen Ringens um Unabhängigkeit zu geraten.

Doch die Geduld von Henkell hat sich am Ende ausgezahlt. Die Spanier werden von Henkell auch nicht nur einfach geschluckt und ihre Marken ins Sortiment eingereiht, wie es deutlich kleineren Mitbewerbern in der Vergangenheit ergangen ist. Vielmehr ist von einer „strategischen Partnerschaft“ die Rede. Nach einer Kapitalerhöhung durch den Ehrenpräsidenten von Freixenet, José Ferrer Sala, werden ihm und José Luis Bonet Ferrer zusammen 50 Prozent des Aktienkapitals an Freixenet gehören, Henkell die anderen 50 Prozent. Nicht beantwortet wurde offiziell die Frage, wo im Fall der Fälle die letzte Entscheidung getroffen wird. Alles spricht für Wiesbaden.

Henkell sieht im Ergebnis der Transaktion einen guten Grund, die Korken knallen zu lassen, denn die neu entstandene, „weltweit führende Schaumweingruppe“ ermögliche den Zugang zu neuen Märkten und Vertriebskanälen. Tatsächlich ergänzen sich die beiden Unternehmen vor allem im Hinblick auf ihre Exportanstrengungen auf verschiedenen Kontinenten recht gut. Mit Spannung wird zu beobachten sein, ob Freixenet seine bisweilen offensiven und auch preisaggressiven Anstrengungen, sich ein möglichst großes Stück am lukrativen deutschen Sektmarkt zu sichern, einfach so fortsetzen wird.

Die Vielfalt dieses Marktes ist auch im internationalen Maßstab sehr groß, die Zahl der Erzeuger dagegen überschaubar klein. Denn der größte Sektmarkt der Welt wird nun noch von drei Riesen beherrscht. Am Regal im Einkaufsmarkt ist das nicht zu erkennen, denn die vermeintliche Markenvielfalt vermittelt dem unbedarften Sektkäufer ein völlig falsches Bild. Kupferberg und Deinhard, Fürst von Metternich und Söhnlein Brillant, Schloss Rheinberg und Carstens SC, Menger-Krug und jetzt auch Freixenet, das alles sind Sekte im Portfolio von Henkell und Co. Der schärfste Konkurrent, Rotkäppchen-Mumm in Freyburg und Eltville, bietet neben Mumm und Rotkäppchen auch Jules Mumm und „MM extra“ sowie die Nobelmarke Geldermann an. Und Schloss Wachenheim konkurriert unter anderem mit Faber und Feist, Belmont und Hanse Sekt und die Gunst der Freunde des Perlenspiels im Glas. 

Die Lage, die Lage, die Lage

Das neue Prinzip der deutschen Wein-Hierarchie soll simpel und einleuchtend sein: Je enger die Herkunft, desto höher die Qualität. Auf einem Weinetikett stünde demnach die Bezeichnung „Rheingau Riesling trocken“ für die Basisqualität im Sortiment eines Rheingauer Winzers. Qualitativ und preislich eine Stufe darüber stünden Ortsweine wie ein „Kiedricher Riesling“ oder ein „Rüdesheimer Riesling“. Die Weine werden aus der Ernte von Parzellen zusammengestellt, die ausschließlich aus Weinbergen eines einzigen Ortes stammen. Die Spitze der Qualitätspyramide bilden Weine aus Einzellagen, mithin ein „Kiedricher Klosterberg“ oder ein „Rüdesheimer Burgweg“. Und aus weltweit bekannten, besonderen Spitzenlagen wie dem „Kiedricher Gräfenberg“ oder dem“ Rüdesheimer Berg Schlossberg“ könnte als Qualitätsspitze ein besonders guter und teurer Premiumwein stehen.

So ähnlich sieht seit einigen Jahren schon die Qualitätspyramide des Verbands der Prädikatsweingüter (VDP) mit seinen 200 Mitgliedern. Es ist eine Abkehr vom Mostgewicht als bestimmenden Qualitätsmerkmal hin zum Boden, zum Terroir. Ein Wandel, der schon in diesem vergleichsweise überschaubaren und homogenen kleinen Erzeugerverband für Eruptionen sorgte und Widerstand provozierte. Im deutschen Weinbauverband, in dem neben den vielen Familienweingütern vor allem große Genossenschaften und Kellereien eine bedeutsame Rolle spielen, tut sich die Verbandsspitze noch deutlich schwerer, vergleichbare Veränderungen durchzusetzen. Doch an der Notwendigkeit, das bisherige System zu verändern, besteht eigentlich kein Zweifel. Zumindest nicht unter den Weinfunktionären.

„Derzeit ist die Weinlage kein Garant für Qualität“, bedauerte der deutsche Weinbaupräsident Klaus Schneider in diesem Frühjahr in Mainz bei der Eröffnung der VDP Weinbörse. Die Nennung einer Weinbergslage auf dem Etikett soll seiner Ansicht künftig „nicht nur ein Hinweis auf die Herkunft, sondern ein Qualitätsversprechen“ sein. Je kleiner der Herkunftsort, desto höher die Qualität - das soll das Prinzip der Zukunft sein.

Für solche Überlegungen gibt es den Beifall des VDP. Dessen Präsident, der Pfälzer Winzer Steffen Christmann, hält es für unstrittig und seit langem „überfällig“, dass das Weingesetz von 1971 reformiert werden muss. In Deutschland sind seiner Ansicht nach die Voraussetzungen für die Hervorhebung der Weinlagen auf dem Etikett und im Marketing besonders gut, weil kaum ein Land so gut über seine Weinbergsböden und deren – unterschiedliche – Güte Bescheid weiß. Zudem wäre es ein Zurück zu den Wurzeln, denn in der Zeit um 1900, als einige deutschen Weine teurer als die besten Tropfen aus dem Bordeaux waren, zählten nun Weinberg und Erzeuger als Qualitätsausweis. Kabinettweine waren unbekannt. Es gab allenfalls die auf Schloss Vollrads im Jahr 1716 „erfundenen“ Cabinet-Weine, womit später die besten Tropfen aus den Schatzkammern renommierter Güter bezeichnet wurden. Heute scheint es, als seien sich die VDP-Winzer mit Immobilienmaklern einig, dass es in ihrem Gewerbe immer nur auf drei Dinge ankomme: die Lage, die Lage, die Lage.

Doch in der Gegenwart ist die Generation der aktiven Winzer geprägt von einem knapp 50 Jahre alten Weingesetz, das den Winzern unter anderem die Fixierung auf das Mostgewicht als Qualitätskriterium und die Verwendung von Großlagen auf den Etiketten beschert hat. Dabei hat der Klimawandel einer Qualitätspyramide nach Mostgewicht (aufsteigend Qualitätswein, Kabinett, Spätlese, Auslese) bei den trockenen Weinen weitgehend den Boden entzogen, und die Großlagen sind ein Etikettenschwindel: ein Wein mit der Großlagen-Bezeichnung „Rauenthaler Steinmächer“ darf sich heute aus Weinen aus 27 Einzellagen in den Gemarkungen von Walluf, Martinsthal, Eltville, Frauenstein, Schierstein, Dotzheim und Rauenthal zusammensetzen. Es muss aber kein einziger Tropfen aus Rauenthal in dieser Cuvée sein, obwohl sie den Namen dieses Weindorfs trägt. Die Großlage macht vieles möglich, auch Unsinniges.

Gleichwohl gibt es Winzer, aber auch Genossenschaften und Kellereien, die an diesem System festhalten. Sei es aus Gewohnheit oder weil ein Wein mit einer bestimmten Bezeichnung auf dem Etikett schon lange im Sortiment ist und seine Stammkundschaft hat. Ein Beispiel ist Uwe Rußler in Rauenthal. Der bodenständige und ambitionierte Winzer hat etliche Weine unter der Bezeichnung der Rauenthaler Großlage im Angebot und verweist auf die Nachfrage: „Meine Gästen Fragen nach dem feinen Steinmächer“. Seinen Rotwein erntet er aus zwei großen Weinbergen in der Martinsthal und in Rauenthal und führt sie unter dem Großlangebegriff zu einem Wein zusammen. Und der „trockene Kabinettwein“ ist für den Winzer gelebte Weintradition. Er ist 1976 geboren und kennt es gar nicht anders.

Wirtschaftlichen Erfolg hat er mit seiner Strategie, sich an den tatsächlichen oder vermeintlichen Kundenwünschen zu orientieren, obendrein. Doch das erschwert den Wandel in einer Zeit, in der das gesamte europäische Bezeichnungsrecht vor einer Zäsur steht. Die deutschen Weinregionen erhalten künftig ein hohes Maß an Selbstverwaltung und Selbstbestimmung, solange sie sich im Rahmen des deutschen Weingesetzes bewegen. Um diese Spielräume zu nutzen, haben die Rheingauer Winzer kürzlich eine sogenannte Schutzgemeinschaft gegründet, deren Aufgabe es ist, die „geschützte Ursprungsbezeichnung“ Rheingau mit Leben zu erfüllen. Denkbar ist – theoretisch – vieles, gar revolutionäres. Beispielsweise könnten die Winzer festlegen, dass nur noch Riesling und Spätburgunder unter der Herkunftsbezeichnung „Rheingau“ verkauft werden darf. Oder sie könnten für diese Weine die Handlese oder ein bestimmtes Mindestmostgewicht vorschreiben. Auch die Bannung der Großlagen und die Reservierung der Lagenbezeichnungen für Spitzenweine gehört dazu.

Doch das ist graue Theorie, und die viele Rheingauer Winzer sind konservative Vertreter ihrer Zunft. Schon die Bildung der Schutzgemeinschaft war in ihrer jetzt gewählten Zusammensetzung nicht unumstritten. Weinbaupräsident Seyffardt musste erkennen, dass ein Verzicht auf die althergebrachten Prädikate bei trockenen Weinen nicht durchsetzbar ist. Es wird von Rheingauer Winzern also weiterhin trockene Kabinettweine in Verbindung mit der Nennung einer Einzellage auf dem Etikett geben dürfen, ebenso trockene Spätlesen und sogar trockene Auslesen.

Das erschwert die Profilierung der Einzellagen. Wenn ein Winzer einen Rüdesheimer Burgweg Kabinett trocken, eine Rüdesheimer Burgweg Spätlese trocken und eine Rüdesheimer Burgweg Auslese trocken gleichzeitig im Sortiment haben darf, dann ist die Verwirrung beim Kunden groß. Auch Winzer Rußler hat einen Kabinett trocken und eine Spätlese trocken der Einzellage Rauenthaler Wülfen im Angebot. Geschmacklich, versichert er, seien das zwei ganz verschiedene Weine. Aber was heißt das dann für die geschmackliche Prägung der Lage Wülfen? Kein Wunder, dass Weinbaupräsident Seyffardt, politisch erfahren als früherer Kommunalpolitiker und Landtagsabgeordneter, klug genug ist, um zu erkennen, dass die Widerstände unter seinen Berufskollegen zu groß sind, und er weiß, dass jede noch so bescheidene Reform davon abhängt, dass die 500 Mitglieder auch mitziehen.

Somit wird es bei den trockenen Prädikaten bleiben, auch wenn der Kabinettwein möglichst als „Leichtwein“ mit geringem Alkoholgehalt von 12 Prozent und weniger profiliert werden soll. Auch die Großlage soll nicht ersatzlos abgeschafft werden, sondern womöglich durch den Zusatz „Bereich“ oder „Region“ ergänzt werden. „Region Rauenthaler Steinmächer“ soll somit klar genug sein, um für den Verbraucher die Verwechslung mit einer Einzellage wie „Rauenthaler Baiken“ auszuschließen. Mutig sind diese zögerlichen Schritte nicht, weitreichend auch nicht. Und das Prinzip „je enger die Herkunft, desto höher die Qualität“, wird allenfalls ansatzweise verwirklicht. Doch mehr ist unter den insgesamt noch 600 Rheingauer Winzern derzeit nicht durchsetzbar. Schade. (auszugsweise aus der FAZ am Sonntag vom 29.07.2018)

Aus dem Verkostungstagebuch

Marcobrunn und Mannberg

zwei klingende Namen unter den Rheingauer Weinbergslagen. Zwei Terroir-Nachbarn zwischen Erbach und Hattenheim, beide prädestiniert für große Weine. Das Weingut Langwerth von Simmern hat neben den Staatsweingütern als einzige das Glück, in beiden Weinbergen begütert zu sein. Nun ist es auch das Weingut Höhn in Wiesbaden, denn Jürgen Höhn ist es gelungen, fünf Hektar Weinberge aus dem Portfolio von Langwerth von Simmern zu kaufen, darunter übrigens auch Nussbrunnen (der im ersten Jahr als saftige süße Spätlese auf den Markt kommt). Während über die Immobilie von Langwerth inzwischen Klarheit herrscht (Verkauft an Bauunternehmer Jökel aus Schlüchtern) gilt das für die verbliebenen 18 Hektar Rebfläche – zum heutigen Zeitpunkt – noch immer nicht. Während wir grübeln, wer wohl den Zuschlag erhält – die Ernte kommt früh 2018! – stellte Höhn bei seiner Jahrgangspräsentation die ersten der neuen Lagenweine vor. 2017 Mannberg und 2017 Marcobrunn Spätlese werden dabei preislich knapp über das Erste Gewächs aus der Schiersteiner Hölle gestellt, da ist ein guter Ansatz! Auch wenn beim Restzucker für meinen Geschmack bei beiden ein wenig zu hoch gegriffen wurde, so zeigt der Marcobrunn doch gut seinen festen, druckvollen, zu diesem Zeitpunkt aber noch stets recht verschlossenen Charakter, während der Mannberg schon zugänglicher und eleganter wirkt mit guter Mineralität und feiner Säure. Beide Weine brauchen noch Zeit, und ich auch zum Nachverkosten, das finale Urteil zu gegebener Zeit dann hier….

Auf dem Rhein

Mit der „Boppard“ von Eltville nach Oberwesel, mit der „Godesburg“ von Bacharach nach Rüdesheim, das macht an einem Sommer-Sonntag Laune. Was man auf den beiden Schiffen der KD-Flotte so erlebt, dazu mehr in der FAZ. Die erfreuliche Nachricht für diesen Blog lautet: Es gibt mehr als nur trinkbare Weine auf den Schiffen…! Wir haben die Mittelrhein-Burgen gezählt und dabei

Matthias Müller 2017 Bopparder Hamm Riesling feinherb getrunken sowie Weingut Karl Heidrich 2016 Riesling trocken… das war ganz ordentlich, es hätte sogar 2016 Rüdesheim Estate von Breuer gegeben, aber da der Ausklang ohnehin im Rüdesheimer Schloss stattfand… wo übrigens der brandneue, straffe „2017 Blanc Weisser Burgunder“ großen Trinkfluss entfaltete. Eine echte Empfehlung!

Steinmacher & Sohn, Kiedrich

Endlich hat auch Bürgermeister und Winzer und Tausendsassa Winfried Steinmacher wieder einen Pächter für seine Schänke „Zum Wibbes“. Die früheren Betreiber des Rheingauer Hofs in Eltville haben hier ihre neue Aufgabe gefunden. Die Küche ist deftig-rustikal und wohl auch deshalb haben die eigensinnigen Kiedricher die Schänke ordentlich angenommen. Die Wein von Steinmacher haben in den vergangenen Jahren deutlich an Qualität zugelegt, das ist erfreulich. Aus der aktuellen Kollektion nebem dem „Klosterberg“ besonders empfehlenswert:

2017 Kiedricher Wasseros Edition Johannes Riesling trocken

2016 Kiedricher Sandgrub „Riesling Terroir“

Hessische Staatsweingüter

1971 Heppenheimer Centgericht Riesling Spätlese

… wie gut dass Niko Kovac Jahrgang 1971 ist und jetzt die Bayern trainiert… diese Flasche war der Wett-Verlust eines überzeugten Eintrachtlers, der noch immer unter dieser Niedertracht leidet… für mich als Bayern-Fan seit den 1970ern war diese diese filigrane Spätlese umso mehr ein Genuss… und jetzt muss Kovac nur noch liefern….

Sterne aus Assmannshausen

Weingut Krone 2013 Spätburgunder Juwel

Weingut August Kesseler 1993 Höllenberg Spätlese trocken**

Weingut August Kesseler 2013 Cuvée Max Pinot Noir

Wer an der Güte der Assmannshäuser Roten je zweifelte, wurde an diesem Abend bekehrt… ein Fest des feinen Cassis und aller Stärken, die ein Top-Späbu zeigen kann…

Weedenborn, Rheinhessen

2017 Sauvignon blanc

2017 Westhofen Terra Rossa Sauvignon blanc

2016 Reserve Sauvignon blanc

Die Queen of Sauvignon, Gesine Roll, zeigt was sie kann: Sauvignon vom Feinsten, eine Benchmark. Wer mit dieser Rebsorten wirklich Ambitionen hat, findet hier den Maßstab, an dem es sich zu messen gilt… wer meint es geschafft zu haben, der lasse mich kosten!

Gronesteyn, Kiedrich

Nicht nur Steinmacher hat in Kiedrich wieder geöffnet, auch die Weinschänke Schloss Groenesteyn hat mit Dirk Schroer gemeinsam mit Amila Begic neue Pächter nach drei Jahren Stillstand (in denen Eric Elbert den „Esskork“ in Eltville startete…) Nach drei Besuchen können wir konstatieren: das wird was! Und unser Alleskönner zu den Gerichten von Schroer lautet vorerst

Chat Sauvage 2016 Chardonnay

… ansonsten hoffen wir, dass Ritter Groenesteyn seinen Keller öffnet und auch einige ältere Groenesteyn-Schätzchen auf der Weinkarte als Raritäten auftauchen…

Bürgerspital, Würzburg

Würzburger Stein 2015 Silvaner trocken und 2013 Riesling trocken VDP.Erste Lage – sehr lecker, mein klarer Favorit derzeit in Würzburg unter den „großen 3“

Glaser-Himmelstoss, Nordheim

2016 Spätburgunder Blanc de Noir trocken VDP.Gutswein – leckerer Sommerwein, easy drinking zum fairen Preis.

Was passiert auf dem Johannisberg?

Auf Schloss Johannisberg ist Bewegung. Nicht nur baulich (siehe nachfolgenden Bericht), sondern auch vinologisch, wie eine kleine Jahrgangsverkostung zeigt

2017 Gelblack trocken – sehr intensive, klare Frucht, gutes Säure-Süße-Spiel, Schmelz, süffig mit gutem Trinkfluss, für mich vielleicht ein wenig zu süß geraten, aber als trockene Visitenkarte sehr gut gelungen…

2017 Bronzelack trocken – deutlich komplexer, mineralisch, leicht phenolische Noten, stammt aus der kühlsten Ecke des Schlossbergs, dem Gewann Nonnehöll, sehr präzise, guter Druck am Gaumen

2017 Silberlack – eine Fassprobe des Weines, der vielleicht ein GG werden könnte, sehr fein mit prägnanter Säure und großer Eleganz, noch recht verschlossen aber mit unverkennbar guten Anlagen, hohe Präsenz am Gaumen, guter Trinkfluss

2017 Rotlack Kabinett – klasse Fruchtspiel, viel Limette, sehr saftig mit rassiger Säure und reintöniger Frucht, läuft wie geschmiert die Kehle runter, Spasswein!

2017 Grünlack Spätlese – klassische Spätlese, nicht überladen mit Zucker, Trinkfluss dann sehr prägnanter Säure bei 8,5 Alkohol, viel Limette und Zitrone, trocknet im Abgang nach, langer Nachhall, sehr gut

2017 Rosalack Auslese – saftig-süße Opulenz, perfekt zur Zigarre, aber auch zum scharfen Curry oder zum Stilton und Blauschimmel, solo schon fast zu süß…

2017 Purpurlack Beerenauslese – Früchteexplosion im Gaumen, dick, fett, schnell satt machend, für Liebhaber dieser Kategorie eine Wucht, für alle anderen reicht einmal Nippen, um beeindruckt zu sein, ein Wein für die Ewigkeit

2017 Blaulack TBA – die süße Krone des Jahrgangs, opulent, dick, Dörrobst und Honig mit Karamell, höchste Konzentration, die Majestät auf dem Schloss.

Das älteste Rieslingweingut der Welt will mit diesen Weinen wieder zu den weltbesten Weißweinerzeugern zählen. Das geht nicht ohne Konzentration und Investition. Für das Weingut Mumm ist da (fast) kein Platz mehr

Derzeit garantiert ein weithin sichtbarer Kran Aufmerksamkeit, und viele Bürger fragen sich: Was passiert auf Schloss Johannisberg? Das Wahrzeichen des Rheingaus ist derzeit eine Baustelle. Doch es geht um weit mehr als um eine Verschönerung und Modernisierung des ehemaligen Sitzes der Fürsten Metternich. Eines der berühmtesten Weingüter der Welt ist im Umbruch. Das auffälligste Zeugnis ist ein Neubau, der die ehemalige Cuvée-Kellerei verlängert. Rechtzeitig vor Beginn der Ernte soll die neue Kelterhalle fertig sein. Dort sollen dann mit neuester Technik alle Trauben des Schlosses angenommen und gepresst werden.

Verbunden ist der Erweiterungsbau mit einer Zäsur. Das bislang mit Schloss Johannisberg auf das engste verbundene Weingut G.H. von Mumm bleibt zwar formal erhalten, verschwindet aber als Erzeuger nahezu von der Bildfläche. Der Standort an der Straße „Am Erntebringer“ wird aufgelöst und verkauft. Die 60 Hektar Weinberge bleiben zwar erhalten, doch nur noch ein sehr kleiner Teil der Ernte wird künftig noch unter dem Namen G.H. von Mumm in Flaschen gefüllt und auf Burg Schwarzenstein und in der Schlossschänke Johannisberg angeboten. Der weitaus größte Teil der Menge wird von Henkell & Co. in Wiesbaden für die Sekterzeugung übernommen und soll in eine Prestige-Cuvée von Fürst von Metternich fließen.

Henkell gehört zur Oetker-Gruppe, Schloss Johannisberg ist seit fast 40 Jahren ebenso im Familienbesitz der Oetkers wie das 200 Jahre alte Weingut Mumm. „Wir legen unseren Fokus jetzt ganz auf Schloss Johannisberg und seine Weine“, sagt Geschäftsführer Stefan Doktor, der gemeinsam mit Marcel Szopa seit Herbst 2016 die Neuordnung vorantreibt. Szopa ist bei Henkell überdies für die Sektherstellung verantwortlich.

Zu dieser Neuordnung des ältesten Riesling-Weinguts der Welt gehört auch, dass die Renommierlage „Schloss Johannisberg“ durch die Eingliederung benachbarter Weinbergsparzellen von bislang 35 auf 45 Hektar erweitert wurde. Der große Mumm´sche Weinbergsbesitz von rund 60 Hektar, bislang ein Flickenteppich im Rheingau, wurde durch Tausch mit anderen Rheingauer Winzern inzwischen soweit arrondiert, dass die Bewirtschaftung deutlich effizienter möglich ist. Für dieses Ziel wurden sogar Rotweinflächen im berühmten Höllenberg von Assmannshausen aufgegeben.

Nach der Aufgabe des bisherigen Standortes von Mumm in Johannisberg werden alle Trauben in der neuen Kelterhalle am Schloss verarbeitet. Damit die daraus gewonnenen Moste verarbeitet werden und die Jungweine reifen können, wird der Keller modernisiert und erweitert. Ein alter, bislang nicht genutzter Gewölbekeller ist schon für die Aufnahme neuer Edelstahltanks vorbereitet worden. Ein weiterer Keller wurde unter der Eingangspforte des Schlosses gegraben.

Mit 45 Hektar Schloss Johannisberger Rieslingweinberge sieht Doktor das Weingut für die Zukunft gut aufgestellt. Die neue Führungsmannschaft wurde im vergangenen Jahr zudem durch Michel Städter als Außenbetriebsleiter ergänzt, der bislang das Johannisberger Weingut Chat Sauvage geleitet hat und sich nun ganz um die Pflege Schlossweinberge kümmert. Doktor ist begeistert, wie sich die Weinberge heute optisch präsentieren. Und er will „das war hier wächst perfekt ins Glas bringen“. Reintönige, ausdrucksstarke Weine mit Charakter sind sein Leitbild.

Dazu wurde auch das Sortiment verändert. Entsprechend der Strategie des Verbands der Prädikatsweingüter gibt es keinen trockenen Schloss Johannisberger Kabinettwein mehr, der bislang gemäß der alten Tradition des Schlossweinguts als „Rotlack“ im Sortiment war. An seine Stelle tritt ein „Bronzelack“-Riesling, der aus dem klimatisch kühlsten Gewann des Schlossweinbergs stammt, dem so genannten „Nonnenhöll“. Doktor will, dass jede Lackfarbe für einen Wein mit eigenem Charakter und Profil steht. Das gilt auch für den Gelblack als fruchtbetontem Basiswein und noch stärker für den Silberlack, das „Große Gewächs“ des Weinguts. In sehr kleiner Menge soll in absehbarer Zeit noch ein trockener „Goldlack“ als Superpremiumriesling folgen.

Die Johannisberger Weinen sollen laut Doktor einen hohen „Trinkfluss“, und davon sollen sich möglichst viele Bürger überzeugen können, die vor dem Schloss vielleicht ein Art Schwellenangst befällt. Der im Rheingau „Goetheblick“ genannte Aussichtspunkt wenige Schritte östlich des Schlosses und seiner Kirche wurde inzwischen zu einem Weinprobierstand umgestaltet, der bei guten Wetter am Wochenende geöffnet ist und sich an die vielen Ausflügler am 50. Breitengrad wendet.

Die qualitativen Ansprüche, die Doktor formuliert, sind hoch: Sein Ziel sei es, das Schloss unter den besten Weißweingütern der Welt zu etablieren.

Wenn es gelingt, wäre es auch aus historischer Sicht nicht weniger als eine Selbstverständlichkeit: „Den besten Wein trinkt der Fürst von Fulda mit seinen Domherren; denn ihm gehört die Propstei mit dem besseren Teil der Weinberge“, schrieb schon Ernst Moritz Arndt über die Erzeugnisse des Schlosses. Die Säkularisierung und die Übergabe an die Fürsten Metternich nicht änderten daran nach 1815 wenig. Wilhelm Grimm schwärmte 1883: „Einen schönen Nachmittag haben wir auf der Altane des Johannisberger Schlosses gesessen, ich glaube ruhiger und vergnügter als der Fürst Metternich selbst, bei einer Flasche seines Kabinettsweines, der zwar mit Gold muss bezahlt werden, wogegen aber auch aller andere Wein nur eine Art gutartiger Essig ist“.

Schloss Johannisberg hat deutsche Weinbaugeschichte geschrieben. 1775 wurde hier die Spätlese „erfunden“. Im Schlosskeller wurde zuerst begonnen, Wein im großem Stil in Flaschen abzufüllen. Auf dem Johannisberg wurde die erste Auslese gekeltert und 1858 der erste Eiswein im Rheingau geerntet. Schlossweine hatten und haben ihren Preis. In „Auerbachs Keller“ im Leipzig kostet der Johannisberger 1863 immerhin vier Taler. Der Bordeauxwein von Chateau Margaux war schon für einen Taler zu haben...

Die Zukunft der Steillagen ist rot...

Steillagen sind landschaftsprägend. Sie geben Anbaugebieten wie dem Rheingau ihren unverwechselbaren Charakter. Doch der Aufwand der Bewirtschaftung ist hoch. Die Produktionskosten liegen weit über denen gut zu bewirtschaftender Flachlagen. Und kaum ein Konsument ist bereit, für eine Flasche Wein nur deshalb deutlich mehr auf den Ladentisch zu legen, weil Trauben in steilen Hängen gepflegt und mühsam geerntet werden. Dieses Dilemma trifft im Rheingau die hessischen Staatsweingüter besonders hart. Anders als bei privaten Weingütern gibt es keine Familienmitglieder, die den Weinberg bearbeiten. Jede Arbeitsstunde muss bezahlt werden. Und der landeseigene Betrieb ist nach den Recherchen seines Geschäftsführers Dieter Greiner das größte Steillagenweingut Deutschlands. Rund 92 Hektar Weinbergsfläche haben eine Hangneigung von mehr als 30 Prozent. Das hat gravierende ökonomische Konsequenzen: "Mir fehlen dadurch jedes Jahr eine Million Euro an Profit", sagt Greiner.
Eine Aufgabe eigentlich unrentabler Steil- und Steilstlagen, wie sie verschiedentlich an der Mosel, aber vor allem im Mittelrheintal zu beobachten war, kommt für das Staatsweingut im Rheingau aber nicht in Frage. Brachflächen sollen vermieden werden. Seiner Vorbildrolle will das Landesunternehmen durch eine Revolutionierung des Steillagenweinbaus gerecht werden, bei der die Hochschule Geisenheim eine zentrale Rolle spielt. Die Wissenschaftler sollen das Instrumentarium für die Weingüter vergrößern und praxistauglich weiterentwickeln. "Wir können die alten Strukturen in der Landschaft nicht ohne modernste Technik erhalten", sagt Hochschulpräsident Hans Schultz. Deutschland habe weltweit den höchsten Prozentsatz steiler Lagen an der Weinbergsfläche.
Der Senkung der Kosten ihrer Bewirtschaftung durch eine fortschreitende Mechanisierung und Automatisierung kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, denn im Steillagenweinbau fallen durch die Topographie jährlich rund 1000 Arbeitsstunden zusätzlich an. Das bedeutet nicht nur Mehrkosten in fünfstelliger Höhe je Hektar. Vielmehr stellt sich auch die Frage, ob überhaupt genügend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, um die notwendige Arbeit über das Jahr zu leisten, wenn das Geld dazu vorhanden ist.
Geht es nach den Geisenheimer Wissenschaftlern und den Staatsweingütern, werden immer mehr Maschinen zum Einsatz kommen, die möglichst autonom arbeiten. Für die Ernte hat das Staatsweingut im vergangenen Jahr schon mit gutem Erfolg eine für Steilhänge entwickelte Vollerntemaschine getestet. Viel Arbeit gäbe es auch für autonom fliegende Drohnen, beispielsweise zur Erkundung des Zustands der Reben und zum Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln.
Der Einsatz einer Drohne könne dem Weingut rund 200 Arbeitsstunden je Hektar ersparen, sagt Hans-Peter Schwarz vom Institut für Technik der Hochschule. Mit bis zu zwölf Spritzungen ist der Pflanzenschutz während der Vegetationsperiode besonders kostentreibend. Zwar behelfen sich viele Weingüter derzeit noch mit dem Einsatz von Hubschraubern in steilen Lagen, doch der hat viele Nachteile: den Lärm, die keineswegs punktgenaue Anwendung der Spritzmittel und die Kosten sowie die Tatsache, dass der Einsatz immer einer behördlichen Ausnahmegenehmigung bedarf.
Die Arbeit des Hubschrauberpiloten können Drohnen vielleicht schon sehr bald besser erfüllen. Doch zunächst stehen weitere Versuche mit zwei Sprühdrohnen an, um die Blattbenetzung zu optimieren und den Abdrift der Mittel bei Wind zu minimieren sowie das autonome Abfliegen der Weinberge zu perfektionieren. "Die Robotik wird die Arbeit der Winzer aber verändern", sagt Manfred Stoll vom Institut für allgemeinen und ökologischen Weinbau. Rebschnitt, Mulchen, Laubschneiden und Pflege des Bodens um die Rebstöcke: Das alles könnte in einigen Jahren vielleicht Robotern übertragen werden.
Doch jenseits aller Mechanik und Robotik müssen noch weitere Methoden verfeinert und erforscht werden. Die Anlage neuer Weinberge quer zum Hang statt wie gewohnt in der vertikalen Falllinie gilt als eine vielversprechende Methode. Gerade erst haben die Staatsweingüter im Assmannshäuser Höllenberg einen Weinberg auf diese Weise neu angelegt. Auch der arbeitssparende Minimalschnitt der Reben ist in bestimmten Lagen eine Option, um die Arbeitskosten zu minimieren. Kosten und Ertrag solcher Strategien werden nun betriebswirtschaftlich intensiver untersucht.
Vor allem in warmen Jahren leiden Reben in Steillagen nicht selten unter Trockenheit. Die Bewässerung der Rebstöcke wird von den Staatsweingütern schon seit Jahren mit gutem Erfolg erprobt. Knackpunkt ist immer die Wasserversorgung und der damit verbundene Aufwand sowie die Auflagen und Einwände der Behörden, beispielsweise wenn es um den Einsatz einer Tauchpumpe im Rhein geht. Außenbetriebsleiter Stefan Seyffardt sieht jedenfalls einen guten Erfolg der bisherigen Praxis: 2016 brachte ohne jede Bewässerung eine Weinbergsparzelle im Rüdesheimer Berg nur eine mäßige Ernte. 2017 wurde laut Seyffardt an sechs Terminen bewässert, und die Trauben waren für die Produktion eines Spitzenweins geeignet, der deutlich höhere Preise erzielt.
In der Zukunft könnte sich aber auch die Frage stellen, ob der den Rheingau prägende Riesling in den Steillagen die dauerhaft richtige Rebsorte ist. In Baden-Württemberg denken Winzer schon darüber nach, in steilen Hängen statt des traditionsreichen Trollingers die teurer zu vermarktende Rebsorte Tempranillo zu pflanzen. Im Rheingau hält es Greiner durchaus für möglich, dass "die Zukunft der Steillage rot" ist, dass also Riesling durch Rotweinsorten ersetzt wird. Diese gedeihen wegen der starken Sonneneinstrahlung in den energiereichen Steillagen recht gut, und überdies ist laut Greiner der Weinfreund grundsätzlich bereit, für Rotwein mehr Geld auszugeben als für Weißwein. Auch dann, wenn ihn ein Roboter geerntet hat. (aus der FAZ vom 2.6.18)